Wickrathberg: Organisierte Schmuckstücke
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 12.09.2009Wickrathberg (RPO). Unermüdlich arbeiten die Bewohner daran, Wickrathberg zu verschönern. Das Ergebnis sind viele liebevoll restaurierte Häuser und Höfe. Der Einsatz für die Schönheit blieb nicht unbemerkt: Zwei silberne und vier bronzene Plaketten gewann der Ort im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden".
Eine Ecke zu finden, die Peter Neuß noch nicht kennt, dürfte in Wickrathberg sehr schwierig sein. Der 71-Jährige ist hier aufgewachsen. In seiner Kindheit war Wickrathberg noch ein richtiges Dorf. Jeder kannte jeden, man feierte und freute sich zusammen, wenn jemand heiratete und trauerte gemeinsam, wenn einer der Dorfbewohner gestorben war. "Heute hat Wickrathberg rund 2500 Einwohner", weiß Peter Neuß. "Dorf kann man dazu eigentlich nicht mehr sagen." Heute kennt er auch nicht mehr alle Wickrathberger. "Viele der Zugezogenen in den Neubaugebieten kommen kaum durch den Ort", hat er festgestellt.
Ein gefräßiges Loch
Trotzdem könnte Peter Neuß sich nicht vorstellen, woanders zu wohnen. Wenn man ihn fragt, was ihn an dem kleinen Ort im Süden Mönchengladbachs besonders gefällt, sagt er einfach nur: "Schauen Sie sich um und hören Sie hin." Dann spitzt man die Ohren und hört – nichts. Ruhe. Nur von fern klingt ein kleines, feines, gleichmäßiges Rauschen. "Das ist die Autobahn, die hört man nur bei gutem Wetter", sagt Neuß. Wickrathberg, so scheint es, ist ein Idyll.
Aber es gibt noch jede Menge andere Aspekte, die das Leben in Wickrathberg so angenehm machen. Zusammen mit seinen Mitstreitern vom Verein für Heimat- und Denkmalpflege hat Peter Neuß vor vier Jahren ein Buch über Wickrathberg herausgebracht. Den Umschlag zieren 317 Porträts von Wickrathbergern aller Altersstufen. "Am Anfang haben wir kaum jemanden gefunden, der mitmachen wollte", erinnert sich Neuß an das Projekt. Aber dann, als die ersten ihre Bilder abgegeben hatten, lief es fast von allein. Am Ende waren alle Bildplätze vergeben und noch jede Menge Dorfbewohner hatten Interesse. Diesem Zusammenhalt ist es auch zu verdanken, dass in Wickrathberg außergewöhnlich viele alte Häuser erhalten geblieben sind.
Jüngst wurde die Restaurierung des Finkenberger Hofs aus dem Jahr 1475 vollendet. Ein Schmuckstück in der Dorflandschaft ist auch die evangelische Kirche, in der nach der Sanierung am 11. Juli 2004 wieder der erste Gottesdienst stattfand. Zur Finanzierung der Restaurierung der Rokoko-Kirche haben die Wickrathberger 46 Veranstaltungen organisiert. Überhaupt ist Organisation die Stärke der Dorfbewohner. "Wir haben einen Trupp von 20 Rentnern, die den Bresser Platz, den Gedenkstein für das Kriegsgefangenenlager, den Schlenk Looek und das Denkmal für die Gefallenen der Weltkriege pflegen", berichtet Neuß. "Die haben einen richtigen Organisationsplan."
Der Platz "Et Schlenk Looek" hinter der Kirche ist das neueste Objekt, um das sich der Heimatverein gekümmert hat. Unter dem Platz war früher eine Schuttgrube, auf die die Dorfbewohner einfach ihren Müll gekippt haben. "Das Loch hat alles geschluckt", berichtet Neuß. Sogar ein ganzes Auto soll dort irgendwo in den Untiefen der Grube sein. Heute ist das ein gepflegter Treffpunkt, auf dem im Sommer ein Springbrunnen plätschert.
So viel Einsatz für die Schönheit des Dorfes bleibt nicht unbemerkt. Im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden", hat Wickrathberg vier Mal die Bronze-Plakette und zwei Mal die silberne Plakette bekommen. Für die Zukunft hat Neuß schon ein neues Objekt zur Verschönerung im Auge: "Den Mühlenberg würde ich gerne auf Vordermann bringen."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





