Mönchengladbach: Park verkommt zum Gänseklo
VON ANDREAS BUCHBAUER - zuletzt aktualisiert: 24.01.2009Mönchengladbach (RPO). Bürger klagen über Gänsekot, der die Wiesen im Schlosspark Wickrath verdreckt. Der Heimatverein bemüht sich um eine Lösung des Problems: Die Tiere jagen oder Gipseier unterschieben? Beides ist nicht so einfach.
Gänse gehören durchaus zu den Tieren, die der Mensch gern hat. Einen guten Teil dazu beigetragen hat die Schriftstellerin Selma Lagerlöf. Ihr Roman "Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen" ließ vor allem Kinderherzen höher schlagen. Im Wickrather Schlosspark verfliegt alle Kinderbuch-Romantik jedoch schnell: Die Gänse-Population ist so groß geworden, dass sie vor allem die Rasenflächen regelrecht verkotet. "Viele Bürger haben uns auf die Problematik angesprochen", sagt Axel Bieling, Vorsitzender des Wickrather Heimat- und Verkehrsvereins. "Wir müssen eine Lösung finden."
Ortstreue Tiere
Der Schlosspark
Schloss Das Schloss selbst stand nur 87 Jahre und wurde 1859 abgerissen. An seiner Stelle steht heute das Landstallmeisterhaus.
Gartenhistorie Den Schlosspark würde man gartenhistorisch zwischen einem Barockgarten und einem Landschaftspark einordnen.
Pleasure Ground Dieser englische Begriff bezeichnet den Teil des Gartens hinter dem Landstallmeisterhaus. Im Deutschen würde man von "Lustgarten" oder "Vergnügungspark" sprechen.
Auch auf dem so genannten "Pleasure Ground" – im Deutschen würde man von Lustgarten sprechen – ist das Problem groß. Veranstaltungen wie das Jazz-Frühstück, das der Heimatverein dort ausrichtet, stehen vor einem Dilemma: Beim Konzert machen es sich die Besucher gerne auf Picknickdecken gemütlich. Doch es liegt so viel Kot auf der Wiese, dass die Decken kaum sauber bleiben würden. "Wir können den Besuchern ja schlecht sagen, dass sie zur Sicherheit Mülltüten unter die Decken legen", sagt Bieling. Und: Eltern dürfte der Gedanke kaum gefallen, dass ihre Kinder beim Spielen vielleicht mit den Händen im Gänsekot wühlen.
Derzeit sollen weit über 50 Gänse im Schlosspark leben. "Bei etwa zehn bis zwölf Gänsen würde es die Probleme nicht geben", meint Bieling. Deshalb nimmt er Kontakt zum Naturschutzbund (NABU) auf. Bieling möchte wissen, wie man die Population eindämmen kann, ohne den Tieren zu schaden. "Es soll sich ja niemand mit der Schrotflinte ins Gebüsch legen", sagt er. "Uns interessiert, ob es Möglichkeiten zu einer schonenden Umsiedelung der Tiere gibt."
Doch eine Lösung des Problems gestaltet sich nicht so einfach. "Eine Umsiedelung würde nichts bringen", meint Gerhard Maas, der beim NABU für Ornithologie (Vogelkunde) zuständig ist. "Die Kanadagänse, die im Schlosspark leben, sind sehr ortstreue Tiere. Sie würden zurückkommen."
Aus Sicht von Gerhard Maas gibt es nur zwei Möglichkeiten, dem Dilemma beizukommen. Man könne die Tiere zum Beispiel bejagen. "Das wäre sogar im Sinne des Naturschutzes. Denn das natürliche Gleichgewicht im Schlosspark ist durch die Verkotung gestört", sagt Maas. "Aber die Bejagung würde zu Protesten der Bevölkerung führen."
Die zweite Möglichkeit bestünde darin, die Gänseeier aufzuspüren und durch Gipseier zu ersetzen. Damit könnte man zumindest die Vermehrung der Tiere stoppen. Allerdings wäre dies eine sehr aufwändige Arbeit. "Einerseits verstecken die Gänse ihre Eier gut", sagt Maas. "Und andererseits suchen sie sich auf kurz oder lang neue Verstecke, wenn der Nachwuchs trotz intensiven Brütens ausbleibt."
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