Mönchengladbach: Personalmangel in Kitas
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 13.10.2008Mönchengladbach (RPO). Eltern sind besorgt. Ihrer Meinung nach gibt es zu wenig Erzieherinnen in den katholischen Kindertagesstätten in Trägerschaft von Pro Multis. Mit der dünnen Personaldecke könne nicht einmal Basisarbeit geleistet werden.
Die Vorwürfe sind schwerwiegend: In vielen Pro-Multis-Kindergärten sei der Personalmangel so groß, dass Kinder allenfalls verwahrt werden könnten. Ehemalige Elternräte aus den Kindertagesstätten Bergerstraße, Mürriger Straße und Grottenweg kritisieren die Missstände. „Wir haben uns mit Eltern unterhalten und erfahren, dass in sehr vielen Kindergärten von Pro Multis mit einer absoluten Notbesetzung gearbeitet wird“, sagt Christiane Lambertz, deren Tochter die Kita Grottenweg besucht.
Da sei selbst die Beaufsichtigung der Kinder schwer. Kleinere Zwischenfälle habe es gegeben, sagt die Mutter. Den Erzieherinnen könne man keine Vorwürfe machen. Sie seien überfordert. So sehr, dass sie häufiger ausfielen. „Wegen Krankheit bitte wir Sie, ihr Kind heute nur im Notfall abzugeben.“ Solche Schilder haben Eltern schon am Kindergarteneingang vorgefunden.
Pro Multis
Träger von insgesamt 28 Kindergärten in der Stadt
Mitarbeiter zirka 280
Altersschnitt Die Erzierinnen bei Pro Multis sind überwiegend zwischen 40 und 60 Jahre alt. Ihr Gehalt ist höher als das von jüngeren Mitarbeiterinnen. Der Landeszuschuss ist aber unabhängig vom Alter der Angestellten.
Reich rechnerisch kommen bei Pro Multis zehn Kinder auf eine Fachkraft, dazu kommen noch Praktikantinnen.
Einen Vertretungspool gibt es bei Pro Multis nicht. Er soll aber laut Geschäftsführerin noch eingeführt werden.
„Hier geht es um Kinder“
Nach dem neuen Kindergartengesetz „Kibiz“ muss eine Gruppe mit Unter-Dreijährigen von zwei Fachkräften betreut werden. Im Kindergarten am Grottenweg sind auch Kinder, die noch keine drei Jahre alt sind. Aber: „Hier betreut eine Erzieherin oft alleine 20 Kinder. Wenn sie Glück hat, hat sie eine Praktikantin an der Seite, mit sehr viel Glück ist die Praktikantin volljährig“, sagt Stefanie Carmanns. Auch sie gehörte dem ehemaligen Elternrat an: „Wie soll im Kindergarten der Bildungsauftrag erfüllt werden, wenn noch nicht einmal die Basisarbeit gewährleistet werden kann?“ Christiane Lambertz: „Pro Multis wird geführt wie ein insolventes Wirtschaftsunternehmen. Aber hier geht es nicht um Maschinen, sondern um Kinder.“
Bernadette Saager, Geschäftsführerin von Pro Multis, weist die Vorwürfe zurück. Die GmbH, die Anfang des Jahres die katholischen Kindergärten als Träger übernahm, sei nicht insolvent, könne aber nur das Geld ausgeben, dass zur Verfügung stehe. Laut Personalplan gibt es bei Pro Multis in den „Kernzeiten“ zwei Fachkräfte pro Gruppe. Saager: „In den Randzeiten, wenn weniger Kinder da sind, ist weniger Personal eingeplant.“ Dass eine Erzieherin eine Gruppe mit Unter-Dreijährigen betreut, könne nur bei großen, unerwarteten Krankheitsausfällen vorkommen.
Nur im Montessori-Kinderhaus Bergerstraße fehle de facto eine Fachkraft. „Die Stelle ist ausgeschrieben. Aber der Erzieherinnen-markt ist leer gefegt“, sagt die Geschäftsführerin. Eine Vertretungskraft sei von der Kindergartenleitung nicht gewünscht, weil man auf Beständigkeit wert lege.
„Das neue Kindergartengesetz hat viele Verunsicherungen gebracht. Bei Eltern und in den Kindergärten“, sagt Bernadette Saager. Sie befürwortet die neue Flexibilität, also die Wahlmöglichkeit für Eltern, ihr Kind 25, 35 oder 45 Stunden in der Woche betreuen zu lassen. Für die Kindergärten bringe das Unwägsamkeiten mit sich. „Wir wissen nicht, wie das Wahlverhalten der Eltern nächstes Jahr aussieht.“ Danach richten sich die Zuschüsse. Saager: „Wir können nicht ohne Ende Geld ausgeben. Aber wenn bekannt wird, dass mehr Personal gebraucht wird, dann stellen wir mehr ein.“
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