Mönchengladbach: Pisa: Hier wird nicht gejammert
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.11.2008Mönchengladbach (RPO). Warum sind wir so schlecht? Über die Pisa-Misere lässt sich trefflich diskutieren und lamentieren. Während sich andere in Schuldzuweisungen üben, kann Mönchengladbach von sich immerhin behaupten: „Wir haben etwas getan.“ Denn schon vor Jahren startete eine Lehrer-Fortbildungsinitiative.
Zu wenig Lehrer, zu große Klassen, zu viele Reformen, zu wenig Geld. All das wird jetzt ins Feld geführt, wenn es darum geht, das schlechte Abschneiden des Landes bei der jüngsten Pisa-Studie zu begründen. Mönchengladbach könnte das auch tun. Denn was sollte in der Stadt schon anders sein als im ganzen Land? Schließlich lässt sich die Lehrerversorgung nicht von kommunaler Ebene steuern.
Aber in der Vitusstadt ist schon etwas anders: Denn hier ist man schon nach dem ersten Pisa-Schock, dem Ländervergleich im Sommer 2002, in die Offensive gegangen. „Nicht jammern, sondern überlegen: Was können wir tun?“, lautete die Devise.
Eine Kommune im Alleingang
Während man im Bund und Land noch bei der hektischen Lösungssuche war, setzten sich in der Stadt Schulträger, Schulaufsicht und Lehrer zusammen und starteten eine Fortbildungsinitiative. Eine Kommune – quasi im Alleingang. Ohne staatliche Programme und nur mit einem kleinen Zuschuss aus dem Lehrerfortbildungstopf der Düsseldorfer Bezirksregierung wurde noch unter dem damaligen Schuldezernenten Wolfgang Rombey die „Herbstakademie“ gegründet.
Das gelang nur, weil die heimische Wirtschaft mit ins Boot geholt werden konnte, die bereit war, finanzielle Mittel bereit zu stellen. Und das funktionierte auch nur, weil es in der Mönchengladbacher Lehrerschaft eine hohe Bereitschaft zu Veränderungen gab. Zudem waren die Pädagogen noch gewillt, sich mehr oder weniger auf eigene Kosten fortbilden zu lassen.
Zusammen mit Mitinitiator Peter Blomert, Leiter der Gesamtschule Espenstraße, wurde ein namhafter Referent aus einem der Pisa-Siegerländer engagiert: Norm Green. Sein Name war eng verknüpft mit Kanadas erfolgreichem Bildungssystem. Norm Green bildete Mönchengladbacher Lehrer als Moderatoren aus, die eine neue Lehrmethode in die Schulen trugen. Auch Gabriele Cwik und ihre Methode „Lernen lernen von Anfang an“ sorgte für Veränderungen in vielen Klassenzimmern. Die frühere Mönchengladbacher Schulleiterin wurde mittlerweile ins Schulministerium berufen.
Es dauerte nicht lange, da galt Mönchengladbach mit seinem kommunalen Bildungskonzept als „Musterregion“. Andere Städte meldeten sich. Und 2004 erhielt die Vitusstadt eine Zusage aus Düsseldorf, dass sie für die Einrichtung eines Bildungsbüros eine zusätzliche Lehrerstelle bekommt.
Das war lange bevor das Land seine Lehrerfortbildungsoffensive startete. 2007 wurden so genannte Kompetenzzentren eingerichtet. Für alle Schultypen sollten dort Lehrkräfte als Moderatoren zur Verfügung stehen, die Unterstützung in verschiedenen Bereichen auf Nachfrage anbieten. Für Mönchengladbach war das mehr oder weniger „kalter Kaffee“. So etwas hatte man schon.
Egal, was sich Land und Bund jetzt als Konsequenz aus der neuen Pisa-Untersuchung überlegen, in der Stadt haben viele Lehrer längst bewiesen, dass sie sich vor Veränderungen nicht scheuen. Beständigkeit hat sich dafür in der Fortbildungsbereitschaft gezeigt. Seit 18 Jahren gibt es die Mönchengladbacher Schulgespräche. Wenn Experten in der Sparkasse über Bildungsmodelle und Lehrmethoden referieren, dann gibt es immer bis zu 800 Anmeldungen.
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