Mönchengladbach: Plädoyers im Prozess um Lkw-Diebstähle
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 17.07.2010Mönchengladbach (RPO). Nach einem umfangreichen Prozess vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts hatten gestern Staatsanwaltschaft und Verteidigung das Wort. Die sechs Angeklagten, die wegen Bandendiebstahls vor Gericht stehen, verfolgten die Strafanträge gefasst. Die Männer, miteinander verwandte Schausteller aus Wegberg, Mönchengladbach und Düsseldorf, sollen in wechselnder Tatbeteiligung wertvolle Lastwagen gestohlen, in Einzelteile zerlegt und nach Holland verkauft haben. Dabei sollen die Angeklagten einen Gesamtschaden von 335 000 Euro verursacht haben. Für einen Haupttäter forderte der Staatsanwalt eine fünfjährige Freiheitsstrafe. Für vier Angeklagte hielt der Staatsanwalt Gefängnisstrafen von zweieinhalb Jahren, drei Jahren und drei Monaten, drei Jahren und acht Monaten bis zu viereinhalb Jahren Haft für angemessen. Nur ein 26-Jähriger könnte nach Ansicht des Anklagevertreters mit einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten davonkommen.
Finanzielle Probleme
Als Tatmotiv hatten die Männer finanzielle Probleme genannt. Ein Mitangeklagter hatte sich offenbar bereit erklärt, im gesamten Bundesgebiet "Lastwagen wegzuholen". Einer der Schausteller hatte dann die Aufgabe, den Standort eines zum Diebstahl geeigneten Fahrzeugs auszubaldowern. Der "Wegholer" brach anschließend den Lkw auf und fuhr damit nach Roermond zum Schrottplatz. Mitangeklagte sicherten dabei dessen Fahrt nach Roermond. Sie fuhren mit eigenen Fahrzeugen voraus und warnten über Mobiltelefon den Fahrer des gestohlenen Lkw vor möglichen Polizeikontrollen. Auf dem Roermonder Schrottplatz stand der nächste Komplize bereit, der die teuren Fahrzeuge ausschlachtete. Danach wurde die Beute durch einen Tatbeteiligten wieder abgeholt und mit beachtlichem Gewinn weiterverkauft.
Ein Werkstattmeister hatte in seiner Zeugenaussage deutlich gemacht, was die dreisten Diebstähle für die Firmen bedeuteten: "Auf den ersten Blick sahen die 70 Teile auf dem Tieflader wohl eher wie verrostetes Eisen aus." Tatsächlich sei jedes Teil allein 20 000 Euro wert gewesen. "Das war ein Riesenverlust für unsere Firma", beschwerte sich der Zeuge im Gerichtssaal. Außerdem habe die Versicherung nicht gezahlt. In einem anderen Fall stahlen vier Angeklagte in Siegburg eine Sattelzugmaschine von einem öffentlichen Parkplatz.
Danach beteuerte einer der Angeklagten in seinem Schlusswort: "Ich habe es gemacht, aber es war nicht richtig, Und es war keine Bagatelle". In der kommenden Woche werden die Urteile verkündet.
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