Mönchengladbach: Plan B für die Krise
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 10.11.2008Mönchengladbach (RPO). Sorgenvoll schaut das Handwerk auf die kommenden sechs Monate. Dann wird sich zeigen, ob die Finanzkrise in den Branchen ihre Spuren hinterlässt. Schon jetzt klagen Kfz und Wohnungsbau über zweistellige Rückgänge. Die Nacht des Handwerks wurde trotzdem gefeiert.
Auf die aktuelle Situation im Handwerk angesprochen, tut sich Kreishandwerksmeister Reinhard Esser schwer, eine eindeutige Aussage zu treffen. „Es gibt Gewerke, die boomen“, sagt er. „Andere Gewerke haben Probleme.“ Arbeiten, die zwingend gemacht werden müssten wie undichte Dächer, würden von den Kunden in Auftrag gegeben. „Die Anschaffung einer neuen Haustür oder einen neuen Anstrich dagegen kann man oft verschieben“, berichtet Esser. Da hielten sich Kunden derzeit zurück.
Aber das Handwerk drückt Rezessionsängste, weiß Jürgen Schubert, Leiter der Abteilung für Wirtschaftsbeobachtung und Statistik der Handwerkskammer. „Aktuell verzeichnen wir in Kfz-Handwerksbetrieben zweistellige Rückgänge“, berichtet der Volkswirt. Auch im Wohnungsbau sei die Zahl der Genehmigungen rückläufig. Von einer Krise will Schubert aber noch nicht sprechen. Ob und wie sich die Finanzkrise im Handwerk tatsächlich auswirke, sei noch nicht abzusehen.
Zurzeit gibt es in Mönchengladbach 3014 Handwerksbetriebe mit knapp 18000 Beschäftigten und 1300 Lehrlingen. Der Gesamtumsatz lag 2007 bei 1,7 Milliarden Euro. Die Statistik zeigt, dass die Zahl der Handwerksbetriebe seit 1990 von 2074 auf 3014 angestiegen ist. Unterbrochen wurde die positive Entwicklung in den Krisenjahren 2001 und 2002, in denen in Mönchengladbach die Zahl der Betriebe von 2080 auf 2006 sank. Steil nach oben zeigt die Kurve im Jahr 2004: 2621 Betriebe gab es in Gladbach. 605 mehr als ein Jahr zuvor.
Im Moment sie noch alles im Normbereich, betont Kreishandwerksmeister Reinhard Esser. „Es gibt keine ungewöhnlichen Ausreißer im Vergleich zu den Vorjahren“, sagt er. Durch das gute Herbstwetter sei gerade in den witterungsabhängigen Gewerken die Auftragslage gut. „Wichtig ist eine gute Planung“, erklärt Esser, der selbst einen Dachdecker-Betrieb mit 13 Mitarbeitern hat. „Es wird immer so geplant, dass man kurzfristig auf die Wetterlage reagieren kann.“ Neben einem Plan A für gutes Wetter gebe es immer auch einen Plan B für schlechte Witterungsverhältnisse. Für den Fall, dass die Finanzkrise dem Handwerk die Bilanzen verhagelt, hat Esser aber noch keinen Plan B. „Auf dem Arbeitsmarkt ist es ähnlich wie an der Börse: Wir müssen in sechs Monaten betrachten, wie sich das ausgewirkt hat“, ist seine Erfahrung.
Während Esser noch ruhig bleibt, sieht Volkswirt Jürgen Schubert die Entwicklung mit Sorgenfalten auf der Stirn. „Die Arbeitslosenzahlen sind noch rückläufig. Das könnte sich jetzt aber schnell ändern, wenn sich die Krise auswirkt“, warnt der Statistiker. „Wir sehen mit großer Sorge ins nächste Jahr.“
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