Mönchengladbach: Planen für mehr Sicherheit
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 12.07.2008Mönchengladbach (RPO). Kriminalität und Angsträume enstehen oft durch architektonische oder städteplanerische Fehler. Deshalb setzt die Stadt bei Bauvorhaben auf Erkenntnisse der Polizei. Schon kurz geschorene Hecken können Verbrecher abschrecken.
Dunkle Hauseingänge, abseits gelegene Parkplätze, hohe Hecken – Architekten und Planern war in den 60er und 70er Jahren oft gar nicht bewusst, dass sie Nischen für Einbrecher, Dealer und Autoknacker geschaffen haben. „Damals ist städteplanerisch und architektonisch viel falsch gemacht worden“, sagt Jürgen Beckmann.
Der Leiter des städtischen Fachbereichs Planung braucht von seinem Büro aus nicht weit zu laufen, um alte Fehler zu sehen. Der schmale Durchgang zwischen Karstadt und dem Gebäude mit dem Aufzug zum Rathauskomplex am Rheydter Marktplatz zum Beispiel. „Der ist viel zu dunkel und eng“, sagt Beckmann.
Anfänge in den 70ern
Ursprünge in den USA Mehr Sicherheit durch die Gestaltung des Siedlungsraumes und des Wohnumfeldes wurde zuerst in den 70er Jahren in den USA thematisiert. Seit etwa zwei Jahren wird auch in der Stadt bei Neuplanungen verstärkt auf Prävention geachtet.
Stellungnahme Bei allen Großplanungen wird seitdem eine Stellungnahme der Kripo eingeholt.
Entdeckungsrisiko vergrößern
Da kann Kriminalhauptkommissar Achim Deußen nur zustimmen. Er ist bei der Mönchengladbacher Polizei für den Bereich städtebauliche Kriminalprävention zuständig. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich eine an sich banale, aber für Architekten und kommunale Planer ungewohnte Verbrechensverhinderung: Man baut schlicht so, dass es Täter abschreckt. Die lieben dunkle Nischen, „weil das Entdeckungsrisiko für sie dort niedrig ist“, sagt Deußen.
Deshalb verschwanden am Rheydter Marktplatz auch auf den Rat der Polizei hin die Betonkübel mit Büschen. Außerdem wurde das Grün in Kirchennähe zurückgeschnitten. So wurde den Dealern die Arbeit am Rheydter Markt zumindest erschwert.
Es gibt viele bauliche Faktoren, die den Niedergang eines Wohnviertels bewirken können: Ein zerstörtes Klingelschild an einem Wohnblock, kann dazu führen, dass das Haus innerhalb kürzester Zeit verwahrlost, sagt Deußen. „Es fängt mit einer wilden Müllecke an, dann kommen kleine Beschädigungen hinzu. Spätestens bei den Graffitis sind wir schon im Bereich der Straftaten.“
Auch im öffentlichen Raum gibt es Risiken: Bushaltestellen, die fernab von der Bebauung liegen. „Selbst wenn es dort kaum Kriminalität gibt, entstehen doch häufig Angsträume“, weiß der Kriminalhauptkommissar. „Soziale Kontrolle“ lautet das entscheidende Stichwort: Spielplätze sollten so gebaut werden, dass sie von möglichst vielen Fenstern aus eingesehen werden können.
In neuen Wohngebiete sollten mehrere Generationen leben, „denn dort, wo nur junge Familien wohnen, können Einbrecher fast davon ausgehen, dass morgens keiner zu Hause ist“, sagt Beckmann. Und es gibt noch viel mehr Punkte, die eine entscheidende Rollen spielen können. Aus diesem Grund holt sich die Stadt bei Bauvorhaben die Stellungnahme der Kriminalpolizei ein.
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