Mönchengladbach: Platzt der Gesamtschul-Traum?
VON GABI PETERS UND RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 17.12.2009Mönchengladbach (RPO). 28 neue Plätze sollen an der Gesamtschule Espenstraße eingerichtet werden. Der Schulleiter ist mit der Ausweitung einverstanden, die Schulkonferenz hat aber erhebliche Bedenken. Das mindert die Chancen auf eine Genehmigung.
Das Ziel der Ampel-Koalition, die Zahl der Gesamtschulplätze in der Stadt erheblich auszuweiten, rückt in immer weitere Ferne. Gestern im Rat standen nur 28 neue Plätze auf der Tagesordnung. Mehr ist zum neuen Schuljahr kaum machbar. Und selbst die geplante Erweiterung der Gesamtschule Espenstraße um eine sechste Eingangsklasse steht noch auf wackeligen Beinen. Denn so positiv wie der Schulleiter, Peter Blomert, sieht die Schulkonferenz den Vergrößerungs-Plan noch lange nicht.
Mehr Lehrer gefordert
In allen Teilen der Schulgemeinde gebe es "erhebliche Vorbehalte" gegen eine Erweiterung der Gesamtschule Espenstraße auf sechs Züge, heißt es in einem Schreiben. Das wird die Bezirksregierung nicht unbeachtet lassen. Denn auch wenn bei der Schulkonferenz keine Entscheidungsmacht liegt, ihre Sorgen wird sich die Genehmigungsbehörde genau anhören.
"Wenn bei uns der Ratsbeschluss vorliegt, holen wir automatisch die Stellungnahme der Schulkonferenz ein", sagte gestern Jennifer Spitzner, Sprecherin der Bezirksregierung. Und eines ist allgemein bekannt: Die Düsseldorfer Beamten gelten nicht gerade als gesamtschulfreundlich. So bestätigte denn gestern in der Ratssitzung Schuldezernent Dr. Gert Fischer: "Ein klarerer Beschluss der Schulkonferenz wäre hilfreich gewesen." Ob die Bezirksregierung unter diesen Bedingungen zustimmt, wird sich erst Ende März zeigen.
Die größte Sorge der Schulkonferenz an der Espenstraße ist, dass es zukünftig mehr Schüler gibt, aber nicht mehr Lehrer. Sie fordert eine angemessene Versorgung mit qualifizierten Lehrkräften. Außerdem wird befürchtet, dass die Stadt nicht genügend finanzielle Mittel aufbringen kann für eine gute räumliche und sächliche Ausstattung im Gebäude der Grundschule am Schmölderpark, das die Gesamtschule Espenstraße bei einer Erweiterung zunächst mitnutzen und später komplett als Dependance bekommen soll.
Rund 365 000 Euro würden die Umbaumaßnahmen in der Grundschule laut Verwaltungsrechnung kosten. Dazu kommen etwa 80 000 Euro für die Ausstattung. Viel Geld für 28 neue Plätze im Bereich der Gesamtschulen, die fast 500 Kinder abweisen müssen. Und in der Gesamtkostenrechnung von 440 000 Euro sind nicht die Personalkosten für eine zusätzliche Sekretärin und einen weiteren Hausmeister enthalten. Auch das verlangt aber die Schulkonferenz. Und hat ihr Votum für einen sechsten Zug davon abhängig gemacht, dass alle ihre Wünsche erfüllt werden.
Wie die Ampel weiter mit dem Thema Gesamtschule verfahren will, ist noch unklar. Nicole Fischer (FDP)erklärte gestern im Rat, die FDP wolle in jedem Fall erst das Ergebnis der Landtagswahl im Mai abwarten, bevor weitere Grundsatzentscheidungen gefällt werden. "Denn danach bekommen wir möglicherweise ein völlig neues Schulsystem in NRW", so Finger. Karl Sasserath erklärte hingegen für die Grünen: "Wir bereiten eine sechste Gesamtschule vor."
Dr. Hans Peter Schlegelmilch (CDU) konstatierte daraufhin: "Offenbar ist sich die Ampel-Majorität selbst noch nicht so sicher, ob sie eine sechste Gesamtschule will oder nicht." Die CDU stimmte gestern gegen die Einrichtung des sechsten Zugs an der Espenstraße. Die Christdemokraten sind zwar prinzipiell auch dafür, weitere Gesamtschulplätze an der Espenstraße einzurichten. Die Faktenlage sei aber zu unsicher. Herbert Backes (CDU): "Das jetzt zu tun, ist schlicht unseriös."
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