Mönchengladbach: Politiker-Zoff im TV-Studio
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 06.05.2010Mönchengladbach (RPO). Im Rede-Duell gab es unter den vier aussichtsreichsten Kandidaten für die Landtagswahl reichlich Streit. Leidenschaftlich diskutierten die Kandidaten über Bildung, Finanzen und Koalition. Das TV-Duell wird noch vier Mal ausgestrahlt.
Als das Signal "Aufnahme läuft, und bitte!" aus dem Regieraum kommt, haben sich alle noch einmal sortiert. Michael Schroeren, der beide Hände auf dem Stehtisch übereinander gelegt hat, Hans-Willi Körfges, der sich entspannt anlehnt wie an ein Rednerpult, Angela Tillmann, die gerade noch einmal ihre Akten durchgesehen hat, und Norbert Post, der sich die Runde in beinahe staatsmännischer Haltung noch einmal anschaute. Dazwischen der Moderator, RP-Redaktionsleiter Ralf Jüngermann, der in knapp 60 Minuten Sendung aus den Kandidaten alles heraus holte.
Es war das Rede-Duell der vier aussichtsreichsten Mönchengladbacher Kandidaten bei der Landtagswahl am Sonntag. Mittwochabend wurde es erstmals bei City-Vision ausgestrahlt. Und die Zuschauer bekamen mit, wie aus vier freundlichen Kollegen politische Gegner wurden. Gegner, die im TV-Duell keinen Streit scheuten. Und so die Aufzeichnung unter Live-Bedingungen zu einer unterhaltsamen TV-Stunde machten.
Das Thema Bildung brachte die vier Landtagsabgeordneten zu Beginn gleich in Wallung. Schroeren und Post (beide CDU) erklärten, warum die Bildungspolitik der schwarz-gelben Landesregierung ihrer Meinung nach erfolgreich gewesen sei.
"Wir haben 8124 neue Lehrer eingestellt, den Unterrichts-Ausfall halbiert, die Wirtschaft nach vorne gebracht und Bürokratie abgebaut", zählte Schroeren auf. Post ergänzte: "Allein in Mönchengladbach haben wir heute knapp 100 Lehrer mehr." Körfges und Tillmann (beide SPD) lederten los: "NRW ist ein Absteigerland geworden. Wir haben nicht weniger Unterrichts-Ausfall, nur die Statistiken sind heute anders. Und die öffentliche Infrastruktur liegt am Boden." Für Tillmann ist das "Schulsystem selektiv.
Es zementiert, dass Kinder aus bildungsfernen Schichten schlechte Chancen" hätten. Die Gegner fuhren sich gegenseitig ins Wort, als es um das Abitur nach zwölf oder 13 Jahren ging, als die Sozialdemokraten verkündeten, die Studiengebühren wieder schrittweise abschaffen zu wollen, und natürlich, als es um das SPD-Modell der Gemeinschaftsschule ging.
"Jedes einzelne Kind muss gefordert und gefördert werden, sonst werden wir nicht die Abschlüsse bekommen, die wir brauchen", schimpfte Post. Da stimmte Körfges zu: "Individuelle Förderung ist entscheidend, aber in einem reformierten Schulsystem."
Die Kandidaten nippten immer häufiger am Wasserglas. Durst löschen, abkühlen. Unterdessen kamen immer mehr Mitarbeiter von City-Vision vor den Fernseher, auf dem das TV-Duell lief. "Wow, da ist ordentlich Pfeffer drin", meint Redaktionsleiter Stephan Lenzen. Auch, als es ums Geld geht.
Dass Bund und Land dem tiefroten Stadthaushalt aus der Patsche helfen müssen, darüber herrschte Klarheit. Doch Körfges nutzte das Thema noch zu einem Angriff gegen die Bundesregierung. "Wir müssen Steuergeschenke auf Kosten Dritter verhindern." Post und Schroeren wetterten dagegen: "Sie haben über 39 Jahre nichts gemacht. Jetzt ist das nur billige Show vor der Wahl."
Auch beim Thema Ost-Umgehung gingen die Konkurrenten Schroeren und Körfges richtig aufeinander los: "Sie haben sich da in den letzten Jahren ja nicht mit Ruhm bekleckert", provozierte Körfges. Während Schroeren gerne eine Straße bis nach Neuwerk sähe, polterte Körges: "Wir wollen keine Ersatzautobahn für Mautflüchtige." Da konterte Schroeren daraufhi: "Die Beratungsvorlage hat Ihr Oberbürgermeister Bude unterzeichnet."
Zum Schluss stand die Koalitionsfrage an, und da entzündete sich der Streit an den Linken, die für Tillmann "für die SPD ein Dilemma sind". Schroeren provozierte Körfges zu einer Koalitionsaussage, der wich aus: "Ich schließe nichts aus. Aber der einzige, der die Linken braucht, ist Jürgen Rüttgers, um im Amt zu bleiben."
Nach einer knappen Stunde gingen die Kameras schließlich aus.
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