Mönchengladbach: Posse um US-Kamerateam
VON SABINE WOTZLAW UND JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010Mönchengladbach (RPO). Das Fernsehteam, das angeblich die Sitzung der KG Holzköpp am Samstag filmen sollte, erschien nicht. Es soll durch einen Unfall aufgehalten worden sein. Der US-Sender CBS allerdings dementiert, überhaupt ein Team nach Jüchen geschickt zu haben. Nur eine von zahlreichen Ungereimtheiten.
Die Stellungnahme aus der Rechtsabteilung des US-Fernsehsenders CBS ist unmissverständlich. "Wir haben niemanden nach Jüchen geschickt, um bei der dortigen Karnevalsparty zu drehen", sagt Vizepräsident Andrew J. Siegel über das Filmteam, das der KG Holzköpp suggeriert haben soll, einen 90-minütigen Beitrag für das amerikanischen Fernsehen produzieren zu wollen. Tess Golcher aus der Personalabteilung von CBS 2 Chicago fügt hinzu: "Der Sender beschäftigt niemanden mit diesem Namen und hat keine Absicht, über den Karneval in Jüchen zu berichten."
Bei "diesem Namen" handelt es sich um McTombson. Mehrere Brüder – um solche handelt es sich laut Joe Merkens, Betreiber der Veranstaltungs- und Künstleragentur Hoho und Ehrenmitglied der Holzer Karnevalsgesellschaft – mit den Vornamen John, Hank, Roy und George stehen im Zentrum einer merkwürdigen karnevalistischen Posse. Eine E-Mail vom Sonntag, wie vorherige Schreiben in einem Kauderwelsch aus Kinder-Englisch und deutschen Versatzstücken verfasst, soll belegen, dass das TV-Team am Samstag auf der Fahrt von Frankfurt nach Jüchen in Bergheim in einen Unfall verwickelt wurde – und es deswegen nie zum angedachten Dreh kam.
Merkens: "Direkt vor den Augen des Fernsehteams sind zwei Autos ineinander gerast." Die Amerikaner – allesamt Familienväter – hätten mit ansehen müssen, wie ein zweijähriges Kind reanimiert wurde. Das Team sei nach dem Unfall so geschockt gewesen, dass es sich entschlossen habe, die Holzer Sitzung nicht aufzuzeichnen. "Ein Kameramann wurde sogar in die Psychiatrie eingewiesen", so Merkens.
Nach dem Unfall seien die Amerikaner in ihr Quartier nach Koblenz zurückgefahren. "Ich mache dem Team keinen Vorwurf, ich kann das verstehen", sagt der Veranstaltungsmanager. "Mich hat das Ganze auch so mitgenommen, dass ich erstmal alle weiteren Veranstaltungen abgesagt habe." Merkens staunte nicht schlecht, als er erfuhr, dass CBS nie vorhatte, in Jüchen zu drehen: "Was soll das?", lautete seine erste Reaktion. "Den Unfall hat es gegeben. Die Männer haben mir sogar Bilder davon geschickt." Außerdem habe er die internationalen Presseausweise und auch die Kameras gesehen. Merkens: "In Dülken haben zwei Kameramänner, die den Unfall nicht mit angesehen haben, wie vereinbart gedreht." Auch John McTombson sei in Dülken erschienen. Mit ihm hatte Merkens laut eigener Aussage telefonisch alle Details für den Dreh in Holz besprochen.
"Da will uns jemand eins reinwürgen", so Merkens weiter. Auf Nachfrage der Rheinischen Post räumte er ein, dass in seinen Verträgen der Sendername CBS nicht auftauche. Er sei "getäuscht worden". Merkens glaubt, dass Konkurrenten ihn und seinen Geschäftspartner und Holzköpp-Präsident Frank Coumans "hochnehmen" wollten: "Offenbar sind wir einigen Leuten zu erfolgreich geworden". Um wen es sich dabei vermutlich handele, will Merkens allerdings nicht sagen, solange er es nicht beweisen könne. Wenn er Belege habe, wolle er jedoch einen Anwalt einschalten.
Schon 2007 hatte ein Verein "Deutsch-Chinesische Freundschaft" aus Köln angekündigt, CBS 2 Chicago sei an Filmmaterial von der Holzer Sitzung interessiert. Davon war später jedoch nichts mehr zu hören. Im selben Jahr wurde die Holzer Sitzung laut Merkens und Coumans live ins chinesische Fernsehen übertragen. Damals sei alles "sauber gelaufen", versicherte Merkens gestern.
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