Mönchengladbach: Problemfall Doppelabitur
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 22.09.2010Mönchengladbach (RPO). Durch den doppelten Abiturjahrgang wird es 2013 in NRW viel mehr Bewerber für Studien- und Ausbildungsplätze geben als sonst. Das Stiftisch-Humanistische Gymnasium veranstaltet dazu eine Podiumsdiskussion.
Im Jahr 2013 ist es soweit: Dann werden in Nordrhein-Westfalen zwei Jahrgänge, die Schüler mit acht und jene mit neun Gymnasialjahren, gleichzeitig ihr Abitur machen. Ein Ereignis, auf dass sich nicht nur die Betroffenen und deren Eltern rechtzeitig einstellen müssen. "Wir werden 2013 in NRW circa 20 000 Studenten mehr als normal haben. Und ungefähr um die gleiche Zahl steigt auch die Nachfrage an Ausbildungsplätzen", sagt Hanspeter Stapper. Der Lehrer am Stiftischen Humanistischen Gymnasium (Huma) hat aus diesem Anlass für den nächsten Dienstag (20 Uhr) in der Aula eine Podiumsdiskussion organisiert.
Aufrütteln, keine Ängste schüren
Vertreter aus Wirtschaft, Schule, Elternschaft und Politik sollen sich über den doppelten Abiturjahrgang, seine Folgen sowie die Probleme und Perspektiven austauschen. "Wir möchten damit keine Ängste schüren, aber schon ein wenig aufrütteln, ein stärkeres Problembewusstsein schaffen und Möglichkeiten aufzeigen", sagt Schulleiter Heinz-Theo Jacobs. Denn das Kollegium am Huma hat erkannt, dass den Schülern noch nicht klar ist, welche Probleme in zweieinhalb Jahren auf sie zukommen können.
"Viele gehen so an die Sache heran, dass sie erstmal das Abitur machen wollen und dann mal schauen, was möglich ist", sagt Jacobs. Dem möchte das Huma unter dem Motto "Linie 2013" mit vielfältigen Aktivitäten, Projekten und Angeboten zur Vorbereitung auf den Berufseinstieg in den nächsten Jahren entgegenwirken. "Wir haben bereits ein großes Netzwerk zur Wirtschaft, mit dem wir den Schülern schon zuvor viele Angebote machen konnten. Das wollen wir jetzt noch intensivieren und die Podiumsdiskussion als Einstieg nutzen", sagt Stapper, der auch auf die rege Teilnahme der Eltern hofft, denn "sie haben zwar ein größeres Problembewusstsein als die Schüler, aber auch noch nicht alles bis zum Ende durchdacht".
Schließlich wird es 2013 durch den stark vergrößerten Konkurrenzkampf bei Studien- und Ausbildungsplätzen auch Warteschleifen geben. Das bedeutet für die Familien finanzielle Belastungen in Form von fehlendem Kindergeld, längerem Unterhalt oder zusätzlichen Versicherungen. Auch die Fachhochschulen oder Ausbildungsbetriebe müssen sich auf die besondere Situation einstellen.
"Und wir erhoffen uns schon von der Diskussion, dass wir von den Teilnehmern erste Ansätze hören, was unternommen werden kann, um die Situation zu entschärfen", sagt Stapper. Für das Huma selbst sei der doppelte Abiturjahrgang mit rund 190 Schülern zwar ein Kraftakt, doch "wir sind gut mit Lehrern besetzt und können dies gut abwickeln". Dafür wird es auf jeden Fall ein anderes Problem geben: Bei dieser Menge an Abiturienten wird 2013 die Aula für die Abitur-Entlassfeier zu klein sein.
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