Mönchengladbach: Professor fühlt sich missverstanden
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 15.12.2009 - 17:13Mönchengladbach (RPO). Er habe ganz sicher niemanden verletzten oder diffamieren wollen. Das sagte Professor Wolfgang Grundl heute auf Nachfrage unserer Redaktion. Der Dozent der Hochschule Niederrhein sieht sich heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Er habe in seinen Vorlesungen Homosexuelle und Juden verunglimpft und rassistische Äußerungen von sich gegeben.
„Das sind Missverständnisse”, sagt der Professor, der Sozialmedizin und insbesondere Sozialpsychiatrie lehrt. „Die Zitate wurden aus dem Zusammenhang gerissen und führten dadurch zu diesem Ärger.” Leider sei der Versuch, in diversen Gesprächen die Wogen zu glätten, gescheitert.
Wolfgang Grundl sieht eine prinzipielle Schwierigkeit im Lehrplan. „Im ersten Semester besuchen die Studenten meine Einführung in die Psychiatrie”, erklärt er. „Für so junge Menschen ohne jegliche Vorkenntnisse und Erfahrungen ist das ein sehr schwieriges Thema.” Im Unterricht würde erklärt, wie das Gehirn aufgebaut ist, und wie psychische Krankheiten entstehen. „Unter anderem gibt es einen Exkurs über die Frage, wann und warum Homosexuelle als krank oder böse eingestuft wurden und werden”, erläutert der Dozent. Er selber sei weit davon entfernt, Schwule oder Lesben als krank oder böse zu bezeichnen.
Die Studentenvertretung machte heute mit einer Aktion auf die „diffamierenden und rassistischen” Äußerungen des Dozenten aufmerksam. Auf dem Vorplatz der Mensa taucht eine Art Anti-Seuchen-Kommando auf. Vier Menschen, bekleidet mit gespenstisch-weißen Schutzanzügen, weißen Handschuhen und Mundschutz verteilen Flugblätter. In den Anzügen stecken Studenten. „Wir wollen Aufsehen erregen. Sonst nimmt uns keiner wahr”, erklärt Christine Drogt (27).
Die 23-jährige Luisa Schallwig war bei der Erstsemestervorlesung im letzten Jahr, als die kritisierten Äußerungen des Dozenten fielen, dabei. „Wir waren schockiert. Aber wir hofften auf ein Missverständnis”, berichtet sie. Aber dann sei nichts geschehen. „Jetzt müssen wir die Leitung der Hochschule zum Handeln zwingen.”
Einige Kommilitonen finden die Demonstration übertrieben: „Ich finde die Anzüge anstößig und aggressiv. Man hätte die Demonstration anders gestalten können”, sagt Sina Richter (20). Nimmt dann aber trotzdem den angebotenen Flyer entgegen.
Professor Grundl findet die Performance der Studenten in Ordnung. „Das ist zulässig. Ich fühle mich nicht verletzt oder ungerecht behandelt.”
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