Mönchengladbach: Prost, Frau Eicken!
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 09.10.2006Mönchengladbach (RPO). Maria Eicken ist 105, Tom Beckers fünf Jahre alt. Die Rheinische Post brachte die Beiden zum Geburtstag der ältesten Mönchengladbacherin zusammen. Ein Gespräch über Puppen, Betonmischer, Schweinebraten und die Schule.
Maria Eicken sitzt im Rollstuhl. Gerade hat sie gefrühstückt. Sie schaut verträumt durch den Aufenthaltsraum im evangelischen Altenheim Odenkirchen. Klaviermusik klingt durch das Zimmer. Hinter Eicken steht eine Collage von Fotos. Eines zeigt sie mit ihrem Vater im Garten. Es stammt aus dem Jahr 1905. Gestern wurde Maria Eicken 105 Jahre alt. Damit ist sie die älteste Bürgerin in Mönchengladbach. Tom Beckers kommt dagegen erst auf fünf Jahre. Er geht noch in den Kindergarten. Die RP brachte die Beiden zusammen.
Tom Guten Morgen, Frau Eicken. Alles Gute zum Geburtstag!
Maria Eicken Du bist ja ein lieber Knirps. Und ich bin schon so groß.
Tom Ich bin ja auch erst fünf. Frau Eicken, wie kamen sie eigentlich früher in den Gottesdienst? Damals gab es ja noch nicht so viele Autos. Und die Straßen waren auch noch nicht so gut, oder?
Maria Eicken Da hast du Recht. Aber dann sind wir zu Fuß gegangen, um in die Kirche zu gehen.
Tom Wie kamen Sie in den Urlaub? Heute nimmt man das Flugzeug.
Maria Eicken Früher mussten wir mit der Eisenbahn fahren. Deshalb gingen unsere Reisen auch nie so weit. Sag mal, womit spielst du denn heute so? Als ich so alt war wie du, haben wir mit Puppen gespielt.
Tom Ich spiele am liebsten mit Bauklötzen und dem kleinen Betonmischer.
Maria Eicken Und was willst du werden, wenn du groß bist?
Tom Ich werde Polizist.
Maria Eicken Dann muss man ja Angst vor dir haben…
Tom (lacht) Nein. Das brauchen Sie nicht.
Eine Pflegerin stellt Beiden jeweils ein Glas Orangensaft hin. Tom reckt es in Richtung Geburtstagskind. „Prost, Frau Eicken!“ Sie stößt ihr Glas an seins.
Maria Eicken Was isst du denn gerne, Tom?
Tom Ich mag Sauerkraut, Kartoffelpüree, Bratwürstchen und abends Müsli. Und Schweinefleisch.
Maria Eicken Aber das Fett am Fleisch ist nicht so lecker. Sie verzieht das Gesicht.
Tom Stimmt. Wie haben Sie es eigentlich geschafft, so alt zu werden?
Maria Eicken Ich habe viel Gutes und Gesundes gegessen. Und ich habe immer die Schule besucht.
Tom Das will ich auch machen. Vielleicht werde ich dann ja auch so alt wie Sie.
Maria Eicken Musst Du wirklich schon gehen? Es hat mir Spaß gemacht.
Tom Mir auch. Aber ich muss jetzt leider los. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Geburtstag, Frau Eicken.
Maria Eicken Vielen Dank. Schön, dass du bei mir zu Besuch warst.
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