Mönchengladbach: Prostituierte als Nachbarin
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 28.06.2008Mönchengladbach (RPO). Statt in Bordellen gehen immer mehr Frauen ihrem Gewerbe in normalen Wohnungen nach. Die Zahl der Prostituierten ist gewachsen, und es gibt immer mehr Schwarzarbeit in der Branche.
Die einschlägigen Etablissements mit den roten Lämpchen am Eingang sind längst nicht mehr die Hochburgen der Prostitution. Und auch auf dem Straßenstrich spielt sich kaum noch etwas ab. Die käufliche Liebe blüht in kleinen Wohnungen in unscheinbaren Mehrfamilienhäusern.
„Das ist ein absoluter Trend“, sagt Hans-Georg Krull vom Ordnungsamt. Und das bestätigt auch die Polizei. Deshalb kann es schon mal passieren, dass Mutti gerade ihre Kinder zur Schule bringen will, während an der Tür nebenan der Freier eingelassen wird. Nicht nur die Prostituierten, auch ihre Kunden schätzen die Anonymität in großen Wohnblöcken. Prostitution hat in der Stadt zugenommen, „und es gibt immer mehr Schwarzarbeit in der Branche“, erklärt Krull.
Ordnungsdienst
Seit einem Jahr gibt es den der Kommunalen Ordnungs- und Servicedienst der Stadt. 12 Mitarbeiter mahnen Hundebesitzer, Kot ausfzusammeln, kümmern sich um wilde Müllkippen oder falsches Parken.
5404 Einsätze hatte der Ordnungsdienst 2007, die meisten in Rheydt-Mitte (1670), gefolgt von Stadtmitte (1662).
Detektivarbeit im Privat-Bordell
Der Kommunale Ordnungs- und Servicedienst der Stadt kümmertsich, wenn das Gewerbe verbotenerweise in Privatwohnungen betrieben wird, Prostituierte schwarz arbeiten, keine Sozialversicherung, Rentenversicherung oder Steuern zahlen. Oft ist dabei echte Detektivarbeit gefragt. Die Mitarbeiter durchsuchen Kontakt- und Werbeanzeigen in einschlägigen Zeitungen, suchen sich Telefonnummern und Adressen raus. Immer häufiger gibt es auch Hinweise aus der Bevölkerung. Viele werden skeptisch, wenn die Nachbarin ihre Wohnung offensichtlich nicht nur privat nutzt.
Dann wird geprüft ob die jeweiligen Damen – oder Herren – auch ordnungsgemäß ein Gewerbe angemeldet haben. Ist das nicht der Fall, wird das Team vom Ordnungsdienst aktiv. Es fährt zu den Bordellen oder Wohnungen und klingelt. „Wir überprüfen dann vor Ort die Personalien und stellen fest, wer sich hinter den Pseudonymen verbirgt“, erklärt Krull. Denn meistens haben Chantal, Yasmin oder Ivanka im Pass ganz andere Namen stehen. Gibt es Unregelmäßigkeiten, informieren sie zuständigen Behörden.
„Prostitution an sich ist nicht illegal und für uns auch kein Problemfeld mehr“, sagt Polizeisprecher Jürgen Lützen. Die Fälle von Menschenhandel, bei denen Frauen aus dem Ausland verschleppt und zur Prostitution gezwungen werden, seien rückläufig. Ein Großteil der Prostituierten in Mönchengladbach kommt aus Osteuropa – inzwischen können sie ganz legal in deutschland arbeiten. Die Verdienstmöglichkeiten sind für viele verlockend.
Doch die Frauen aus Osteuropa müssen ebenso wie Handwerker oder Arbeiter die deutschen Vorschriften beachten – ein Gewerbe anmelden und Sozialabgaben zahlen. „Aber es gibt jede Menge, die illegal arbeiten“, berichtet der Fachmann vom Ordnungsamt. Zum Teil würden die Frauen aus dem Ausland – gerade, wenn sie schwarz arbeiten – die Preise drücken. Während für die Liebesdienst normalerweise rund 50 Euro fällig waren, sind jetzt nur noch 30 Euro auf dem Markt üblich, schildert Krull. Eine hohe Dunkelziffer vermutet er auch bei Frauen, die nur gelegentlich dieser Beschäftigung nachgehen und sie nicht offiziell anmelden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





