Mönchengladbach: Protest der Erzieher und Sozialarbeiter
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 11.03.2009Mönchengladbach (RPO). Überforderte Eltern, verwahrloste Kinder, Jugendliche, die ins soziale Aus abzurutschen drohen: Erzieherinnen und die Mitarbeiter in Sozialdiensten und Jugendämtern nehmen täglich den Kampf mit sozialen Verwerfungen in der Gesellschaft auf sich. "Die Anforderungen an die Praxis sind gestiegen, die Notwendigkeit unserer Arbeit auch", sagt Sabine Uhlenkott, Verdi-Gewerkschaftssekretärin für den Bezirk Linker Niederrhein. Dabei komme den Sozial- und Erziehungsberufen eine besondere Bedeutung für die Zukunft zu: "Die Kinder sind unsere Zukunft", betont Lydia Strüwel vom Sozialdienst der Stadt Mönchengladbach.
Das Ansehen und die Bezahlung dagegen hielten mit dem Anstieg der Anforderungen nicht Schritt. Weder stehen die Berufe der Sozialarbeiter und Erzieherinnen beim Nachwuchs hoch im Kurs, noch haben sie mit der Umstellung des Tarifsystems eine Möglichkeit, auf einen finanziellen Aufstieg. Um das Bewusstsein für ihre Arbeit in der Öffentlichkeit zu ändern und nebenbei bei den anstehenden Tarifverhandlungen Druck auszuüben, hat ein Arbeitskreis eine Image-Kampagne ersonnen, die diese Woche in Gladbach anläuft.
Plakate, Türanhänger, Aufkleber und Buttons mit dem Kampagnenlogo und dem Motto "Für Menschen – Wir gestalten Zukunft" sollen auf ihre Situation aufmerksam machen. "Durch neue Gesetze hat der Kinderschutz zugenommen", sagt Uhlenkott. "Das ist richtig so. Aber für unsere Kollegen bedeutet das Mehrarbeit, ohne die Rahmenbedingungen anzupassen."
Im Klartext: Die gleichen Mitarbeiter müssen in ihrer Arbeitszeit mehr schaffen, weil neue Kollegen nicht eingestellt werden. Hat im Sommer 2006 ein Vollzeitbeschäftigter im Sozialdienst noch durchschnittlich 45 Familien im Monat betreut, sind es heute 75. "Das ist eine dauerhafte psychische und physische Belastung", betont Lydia Strüwel. Denn bei der täglichen Arbeit sind die Mitarbeiter den Emotionen ihrer Klienten weitestgehend hilflos ausgeliefert. Es habe Fälle gegeben, in denen Kollegen von aggressiven Klienten angegriffen wurden, berichtet Strüwel. Ein Warnsystem gebe es aber nicht.
Auch das Entgelt für ihre Arbeit stimme nicht. Bisher sah der Bundesangestelltentarif einen Bewährungsaufstieg vor: Mit den Beschäftigungsjahren stieg auch das Gehalt an. Mit dem neuen Tarif sind die Mitarbeiter in einer Entgeltstufe eingruppiert, die sie nicht mehr verlassen. Ältere Beschäftigte, die noch nach dem alten Tarif eingestellt wurden, sind in die Entgeltstufe 9 des neuen Tarifs übernommen worden. Das bedeutet ein Gehalt zwischen 2237,38 bis 3423,37 Euro. Berufsanfänger werden nach Entgeltstufe 6 (1922,60 bis 2474,80 Euro) entlohnt. "Wechselt jetzt eine berufserfahrene Erzieherin ihren Arbeitgeber wird sie automatisch in Stufe 6 eingestuft", erklärt Strüwel. Mit den entsprechenden Einkommenseinschnitten – bis zu 500 Euro monatlich.
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