Mönchengladbach: Protestierende Studenten besetzen Hörsaal
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 10.11.2009Mönchengladbach (RPO). Das rot-weiße Absperrband vor der Tür ist zerrissen, unter dem Türrahmen stehen einige Studenten unschlüssig herum. Vorlesungen finden hier heute nicht statt: Die Studenten haben den Hörsaal V1 im Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein besetzt und schließen sich damit einer bundesweiten Protestaktion Studierender an.
"In Potsdam, Münster und Heidelberg sind Hörsäle besetzt worden", sagt Hilmar Schulz (26), Pressesprecher der Studenten und Koordinator der Landes-Asten-Konferenz.
Auf Probleme wollen die Studenten aufmerksam machen. Da sind zum einen die Studienbedingungen: Zu kurze Studienzeiten, keine individuelle Planung des Studiums durch das modulare System der Bachelor- und Masterstudiengänge und die Anwesenheitspflicht bei den Vorlesungen haben die Studenten auf ihrer Liste. Aber auch die Studiengebühren sind weiter ein Thema, das die Studenten bewegt. "Wer eine betriebliche Ausbildung macht, bekommt eine Ausbildungsvergütung. Wir liefern täglich unsere Denkleistung hier ab und sollen dafür auch noch bezahlen", regt sich Schulz auf.
Zudem sei der Druck auf die Studenten enorm groß. Bis zu 14 Klausuren in einem Semester müssen, abhängig vom Studiengang, absolviert werden. Durch das modular aufgebaute System des Studiums haben die Studenten nur noch bedingt Einfluss auf die Organisation. "Viele Seminare werden durch die Module nur in jedem zweiten Semester angeboten", sagt Schulz. Wer also die Belastung in einem Semester verringern möchte, ist gezwungen, das Studium zu verlängern. Was wiederum mehr Studiengebühren bedeutet.
Die Förderung durch Stipendien sieht Schulz ebenfalls kritisch. "Das ist nichts anderes als Elitenförderung", stellt er klar. "Bei 470 000 Studierenden in NRW gibt es 1500 Stipendien, 45 davon für Studierende der Hochschule Niederrhein." Er sieht darin ein unbotmäßiges Diktat der Wirtschaftslobby, genauso wie in der Forderung, das Bachelor-Studium in sechs Semestern zu absolvieren.
Die Aktiven haben sich in verschiedene Arbeitsgruppen eingeteilt. Eine Gruppe kümmert sich um die Belange der Eltern unter den Studenten, die Kind und Studium miteinander verbinden müssen, eine andere widmet sich der Studienordnung und deren Defiziten, die dritte der Studienfinanzierung.
"Wir freuen uns, dass sich die Studenten an der Gestaltung der Lehre beteiligen", sagt Rudolf Haupt, Pressesprecher der Hochschule. "Solange keine Vorlesungen ausfallen, werden wir sie gewähren lassen."
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