Mönchengladbach: Pssst – Bettgeschichten
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 20.04.2009 - 15:51Mönchengladbach (RPO). Holla, was ist das? Eine Ausstellung für Voyeure? Für Menschen mit Faible für Pikantes, mit Sinn für Erotisches? Bettgeschichten: Dieser Titel beflügelt die Phantasie. Die Arbeiten in der Galerie Noack tun es auch.
Wenn Sie morgen in die Galerie Noack kommen, dann halten Sie bitte den Mund. Scharren Sie nicht mit den Schuhen, stellen Sie Ihr Handy ab und spitzen Sie die Ohren. Wenn alles gut geht, werden Sie feine, leise Töne hören. Die kommen aus dem Etagenbett, das die koreanische Künstlerin Sun-Hwa Lee in den vorderen Raum gestellt hat.
Die Matratzen sind aus duftendem Humus, und frisches Gras sprießt dank guter Pflege. Es bietet kuschelige Heimstatt für kleine, niedliche Mäuse, die nicht aufgeschreckt werden wollen. Also, pssst! Bettgeschichten – so das Thema der neuen Präsentation der Galerie an der Eickener Straße. Und das ist durchaus facettenreich.
Akte beim Akt
Rund um das hölzerne Bettgestell hängen Akte beim Akt von der vor einem Jahr verstorbenen Künstlerin Irmi Pfeiffer: verschlungene Körper, ekstatisch aufgerissene Münder, verzückter Ausdruck in verklärten Gesichtern. Großes Thema Liebesspiele auf kleinem Format: Eckhard Böttger schafft aus wenigen, sich durchdringenden Linien verschlungene Körper in intimer Innigkeit.
Ganz anders Gerd Kanz: Zwei Reihen von Häusern in nächtlich- dunklen Tönen. Was wird sich wohl hinter den undurchdringlichen Mauern abspielen? Voyeuristisches Vergnügen findet prickelnd in der Phantasie statt. Und schräg gegenüber wird es handfest: Isabeella Beumer hat einen groben Sack in die Ecke gehängt. Titel: Der Hausmeister hat kein Himmelbett. Braucht er auch gar nicht, weil er Tag und Nacht zu tun hat. Deswegen trägt er sein Werkzeug, Ersatzteile und für alle Fälle eine Steckdose mit sich herum. Und zur Not bettet er den müden Körper auf die kratzige Jute. Das muss gehen.
Ist wahrscheinlich bequemer als das Doppelbett von Timm Ulrichs, das puristisch aus sieben rohen Holzlatten besteht und ohne Matratze und wärmendes Zubehör auf dem Boden liegt. Der Totalkünstler bezeichnet die Bettstatt als „Materialisiertes Architektur-Symbol nach DIN 1356“. Ganz und gar nicht kuschelig, aber dennoch irgendwie niedlich sind die drei Mini-Wiegen, die Nora Klausen aus Norwegen jeweils auf einen überdimensionierten Sockel gestellt hat. „Er – Sie – Es“ heißt die Installation. Und schon arbeitet es im Kopf: Vater (blau), Mutter (rot), Baby (weiß)? Oder wie?
Die Bettgeschichten von Uwe Schloen – oh, mein Gott! Ein gelber Mann schleppt eine gelbe Frau auf seinen Schultern in Richtung Bettgestell. Die Matratze brennt. Oder ist es Blut, das da aufspritzt? Gleich daneben leidet ein Einsamer auf seiner Matratze – „weil du nicht da bist“. Sein schwarzes Herz steht in lodernden Flammen. Armer Mann.
Scheuen Sie sich nicht, nach dem Rundgang eine entspannende Pause auf der Matratze im Raum von Thomas Krüsselmann und Victor Nono einzulegen. Dazu liegt sie auf dem Boden. Und zwischen den Fotos und Bildern der beiden Künstler hören Sie über Kopfhörer Passagen aus 1001 Nacht, von Sigmund Freud und vom Marquis de Sade. Bleiben Sie ganz ruhig. Dann werden Sie auch wieder die Mäuse piepsen hören.
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