Mönchengladbach: Qualmerei am Sandkasten
VON SINA ZEHRFELD - zuletzt aktualisiert: 22.01.2009Mönchengladbach (RPO). An Gladbachs Spielplätzen ist das Rauchen erlaubt. So soll es bleiben, sagt die Stadt. Zum Einen, weil man nicht in die Entscheidungsfreiheit der Raucher eingreifen will. Zum Anderen, weil niemand ein Verbot kontrollieren könnte.
Schon eine einzige verschluckte Zigarettenkippe kann für ein Kind tödlich sein. Und rauchende Erwachsene neben Schaukel und Klettergerüst sind kaum gute Vorbilder für die Kleinen. Immer wieder versuchen deshalb Städte, Rauchverbote auf Kinderspielplätzen durchzusetzen. Auch in Mönchengladbach habe es dazu Überlegungen gegeben, sagte Stadt-Sprecher Dirk Rütten.
Rund 280 städtische Spielplätze gibt es in Mönchengladbach. Dort ist es verboten, Alkohol zu trinken oder Hunde mitzubringen. Rauchen ist erlaubt. Eine Begleiterscheinung sind die Zigarettenkippen, die die Raucher hinterlassen – und zwar nicht immer in den Abfallbehältern.
"Ein Skandal"
Gefahr und Kontrolle
Scherben Weggeworfene Flaschen sind ein großes Problem auf den Spielplätzen. Gerade die pfandfreien Flaschen harter Alkoholika bleiben liegen. Kinder spielen damit und zerbrechen sie. Die Scherben werden zur gefährlichen Falle in Sandkästen.
Reinigung Alle sieben bis 14 Tage wird jeder Spielplatz gereinigt.
Paten 44 städtische Spielplätze werden von "Spielplatzpaten" betreut, die nach dem Rechten sehen. Das sind Privatleute, Vereine oder Schulklassen.
Es sei "ein Skandal", wenn Kippen auf Spielplätzen weggeworfen würden, sagte Dr. Renate Harnacke, Sprecherin der Gladbacher Kinder- und Jugendärzte: "Da gehört das Rauchen verboten. Kinder sollten mit Zigaretten möglichst nichts zu tun haben, weder mit Qualm noch mit Kippen." Gerade Kinder im Krabbelalter von bis zu drei Jahren seien besonders gefährdet. Nicht nur, weil schon eine einzige Kippe zu Atemlähmungen führen könne. "Die Kleinen lernen durch Zusehen", argumentierte Harnacke: "Die sehen, dass Erwachsene sich das in den Mund stecken" – und machen es vielleicht mit weggeworfenen Kippen im Spiel nach.
Im Jugendamt lehnt man ein Rauchverbot an Spielplätzen dennoch ab. "Wir halten das für überzogen", sagte der stellvertretende Amtsleiter Thomas Weber. "Personen ab 18 Jahren – auch Eltern – dürfen rauchen. Es ist eine schwierige Frage, wie stark man in die Entscheidungen des Einzelnen eingreifen darf und will. Wir sind da zurückhaltend." Das Wegwerfen von Kippen in die Umgebung sei schließlich ohnehin verboten, weil die Verunreinigung öffentlicher Anlagen generell verboten sei.
Dass Eltern und Besucher sich auf Spielplätzen mit dem Rauchen scheinbar nicht unbedingt zurückhalten, weiß man beim Grünflächenamt. Bei Untersuchungen in den 90er Jahren wurde festgestellt, dass der Boden rund um die Sitzbänke an den Plätzen deutlich stärker mit Schadstoffen belastet war als ein paar Meter weiter weg. Grund: Hier werden von den Rauchern Zigarettenkippen ausgedrückt und zerrieben.
Für Paul Brickwedde, Abteilungsleiter für die Unterhaltung des städtischen Grüns, stellt allerdings die Durchsetzbarkeit eines möglichen Rauchverbotes ein Problem dar. "Man kann es natürlich verbieten", sagte er. "Nur, wer will das kontrollieren?"
Das Ordnungsamt oder der Kommunale Ordnungsdienst jedenfalls kaum: "Um Spielplätze routinemäßig überwachen zu können, dazu fehlt jegliches Personal", stellte Amtsleiter Hermann-Josef Hermanns fest.
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