Mönchengladbach: Quandts Tafel für Tiere
VON CHRISTIAN LINGEN - zuletzt aktualisiert: 20.01.2009Mönchengladbach (RPO). Der 77-jährige Klemens Quandt sorgt dafür, dass die Tiere im Odenkirchener Tierpark jeden Tag Futter bekommen. Seit 1957 holt er nicht verkauftes Obst und Gemüse aus Supermärkten ab. Viele Menschen danken ihm dafür.
Odenkirchen Von Minusgraden lässt er sich nicht schrecken. Auch wenn die Quecksilbersäule bei minus acht Grad steht, fährt Klemens Quandt mit seinem weißen Lkw täglich am Tiergarten Mönchengladbach vor. Geladen hat er Obst und Gemüse. Das bringt der 77-Jährige seit August 1957 zum Tiergarten.
An der Futterküche erwarten ihn bereits vier Pfauen. Vor lauter Kälte haben sie sich hingesetzt, um ihre Beine zu wärmen. Doch bevor es etwas zu fressen gibt, muss der Lkw entladen werden. Dabei helfen Klemens Quandt die Mitarbeiter des Tiergartens. "Und? Was hast du heute für uns dabei?", fragen sie, als Quandt aus dem Lkw steigt.
Um sechs Uhr beim Spermarkt
Bereits um drei Uhr nachts steht Klemens Quandt jeden Tag auf. "Dann bereite ich alles vor, damit ich um sechs Uhr beim real-Markt bin", erzählt er. Dort holt Klemens Quandt das Obst und Gemüse, das der Supermarkt nicht mehr verkauft, ab und bringt es zum Tiergarten. "Es ist doch eine Schande, dass Obst, das noch gut ist, weggeworfen wird", ärgert er sich. Das einzig Positive sei, dass die Supermärkte zu denen er fährt, die Lebensmittel abgeben und nicht einfach entsorgen. Hat er seinen kleinen Lkw vollgeladen, führt ihn sein erster Weg stets zum Tiergarten: "Manchmal habe ich mehr Lebensmittel dabei, als der Tiergarten brauchen kann."
Aber nicht nur der Tiergarten profitiert von der ehrenamtlichen Hilfe. "Ich bringe auch Lebensmittel zur Mönchengladbacher Tafel und kümmere mich um Obdachlose", erzählt Klemens Quandt. Doch dies geschehe unregelmäßig. "Ich achte darauf, dass ich nur Lebensmittel bringe, die der Tiergarten auch annehmen darf. Fleisch darf ich zum Beispiel nicht bringen" erklärt Quandt. Sehr gefragt sei auch Zwieback für die Affen.
Der Grund für seine ehrenamtliche Hilfe erklärt Klemens Quandt so: "Ich wurde im Krieg nach Russland verschleppt und habe tausende Tote gesehen. Ich habe in meiner Kindheit viel Elend erlebt. Das ist mein Antrieb, um christliches Tatentum zu leben." Klemens Quandt bezeichnet sich als "einer der letzten Überlebenden der Wilhelm Gustloff", eines Schiffes, das am 30. Januar 1945 von einem sowjetischen U-Boot versenkt wurde.
Blickt Klemens Quandt zurück, so stellt er fest, dass die Supermärkte heute weniger Lebensmittel abgeben als früher. "Dadurch wird es für mich schwerer, zu helfen", sagt Quandt. Er freue sich zwar über die vielen Dankesbriefe, die er erhalte, aber seine Hilfe sei selbstverständlich. "Meine Tanten waren sehr fromme Frauen. Das hat auf mich abgefärbt", vermutet der Rentner. "Auf dem Kirchturm von Sankt Laurentius steht ,Nutze deine Zeit´. Das tue ich – und zwar sehr sinnvoll", sagt Quandt.
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