Mönchengladbach: Querelen um den Qualm
VON NICOLE GONSIOR - zuletzt aktualisiert: 05.01.2009Mönchengladbach (RPO). Am Nichtraucherschutz in Gaststätten scheiden sich noch immer die Geister. Manche Wirte freuen sich über mehr Nichtraucher. In anderen Clubs und Kneipen kapitulierten die Gastronomen vor den rauchwilligen Gästen.
Das Schild gleich hinter dem Eingang der Kneipe „Töff Töff“ macht deutlich: Zum Rauchen geht es in den Nebenraum. Dort hat Wirt Reinhold Biewald ein kleines „Raucherparadies“ geschaffen. So nennt er jedenfalls den separaten Bereich. Der Rheydter war im Mai vorigen Jahres der erste Wirt in Nordrhein-Westfalen, der seine Kneipe gemäß den Vorschriften des Nichtraucherschutzgesetzes umbaute. Ein halbes Jahr nach Inkrafttreten der neuen Bestimmungen sieht sich Biewald als Gewinner: „Seit dem Umbau kommen vermehrt Nichtraucher in meine Gaststätte“, sagt er.
Viele seiner Gladbacher Kollegen dagegen richteten Raucherclubs ein und versuchten so, qualmende Gäste anzulocken. Mit unterschiedlichem Erfolg.
Das Gesetz in Kürze
Rauchverbot Seit dem 1. Juli 2008 gilt ein allgemeines Rauchverbot in Gaststätten. Nur in einem separaten Raum ist das Qualmen gestattet. Unter bestimmten Voraussetzungen darf zudem in Eckkneipen geraucht werden.
Ausnahme In Raucherclubs darf gequalmt werden, weil diese als Vereinsräume angesehen werden. Wer einen Raucherclub betreten will, muss Mitglied werden.
Raucherclub gegründet
Das Bistro „Richard Wagner“ an der gleichnamigen Straße litt zunächst unter der neuen Vorschrift. „Als es im Herbst kühler wurde, blieben viele Gäste weg – die wollten nicht mehr zum Rauchen nach draußen gehen“, sagt Wirt Siegfried Mayska. Also gründeten er und sein Team am 1. Oktober einen Raucherclub. „Seitdem haben wir über 5000 Mitglieder“, sagt Mayska. Nur gelegentlich kämen noch Beschwerden von Nichtrauchern, die nicht in den Club eintreten wollten. Doch in solchen Fällen bleiben Mayska und sein Personal hart: „Wer nicht Mitglied im Club ist, wird nicht bedient.“
Auch Oliver Leonards hat im „Rossi“ an der Waldhausener Straße einen Raucherclub eingerichtet – und damit vor den Wünschen der Gäste kapituliert. „Wir hatten lange Zeit eine Raucherzone, im übrigen Nachtclub galt Rauchverbot“, berichtet der Geschäftsführer. Doch dafür zeigten viele Besucher kein Verständnis: „Immer wieder hielten sich Gäste nicht an das Verbot. Wenn wir sie darauf ansprachen, kam es zu Konflikten.“
Die Schuld daran gibt Leonards anderen Nachtclubs in der Altstadt: „Ich habe das Gefühl, dass dort gar nicht mehr auf das Rauchverbot geachtet wird.“ Glücklich ist der Geschäftsführer mit seinem im Dezember gegründeten Raucherclub aber nicht. Darum ist nicht sicher, ob der auf Dauer Bestand haben wird. „Ich würde die Gäste gerne langsam daran gewöhnen, dass möglicherweise in Zukunft gar nicht mehr geraucht werden darf“, sagt Leonards. Schwierigkeiten bereitet das Gesetz auch einigen Gästen des „Graefen und König“ am Alten Markt. Dort ziehen sich die Raucher in einen Raum aus Glaswänden zurück. „Wie in einem Käfig“, fühlen sich die Besucher Nicole Meyers und Benedikt Hintzen darin.
Um das Problem weiß auch Geschäftsführer Uwe Schmitz. Eine Alternative sieht er für sein Lokal aber nicht: „Ein Raucherclub kommt für uns nicht in Frage, weil 90 Prozent aller Gäste bei uns essen. Da ist der Zigarettenqualm fehl am Platz.“
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