Mönchengladbach: Randale nach Beerdigung
VON ANDREAS GRUHN UND INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 04.06.2011Mönchengladbach (RPO). Beim Trauerzug unter dem Motto "Gegen Gewalt" für den getöteten 21-jährigen Kongolesen David M. gab es heftige Angriffe gegen die Polizei. Es flogen Steine und Flaschen. Die Demonstranten kamen von weither angereist.
"Mörder, Mörder" schrien die Trauernden, als sie an der Waldhausener Straße ankamen. Dann eskalierte die Situation. Aus dem Trauerzug für den 21-jährigen David M., der vor elf Tagen an einem Kiosk an der Waldhausener Straße tödliche Kopfverletzungen erlitten hatte, wurden heftige Ausschreitungen.
Die Wut über den Tod des Mannes, der im Kongo geboren wurde, eskalierte. Demonstranten lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Wie schon häufiger seit dem Vorfall im und vor dem Kiosk vor elf Tagen.
Um 11.30 Uhr begann die Beisetzung des 21-Jährigen auf dem Hauptfriedhof. Mehr als 500 Menschen, die meisten schwarzafrikanischer Herkunft, nahmen Abschied von David M., 350 von ihnen zogen dann ab 13 Uhr in einem Trauermarsch nach Absprache mit der Polizei in die Innenstadt. Das Motto des Trauerzuges lautete "Gegen Gewalt".
Der engste Familienkreis wollte Blumen an dem Kiosk niederlegen, ein Gebet sprechen, Kerzen anzünden. Doch an den Gittern, die die Polizei an der Kreuzung Aachener Straße/Waldhausener Straße als Absperrung aufgebaut hatte, wurde aus der Wut Gewalt. Demonstranten warfen mit Steinen und Flaschen. Vier von ihnen wurden festgenommen.
Erst, als die Polizei die Situation beruhigt hatte, durften die Angehörigen zum Tatort. Ein Pfarrer sprach Gebete auf Französisch. Geschwister, Cousins, Cousinen und weitere Verwandte weinten, sangen Trauerlieder und legten weiße Rosen nieder. Die meisten Trauernden waren aus Deutschland, Belgien und den USA angereist. Einige trugen T-Shirts mit dem Aufdruck: "Gerechtigkeit für David".
Nach und nach löste sich der Trauerzug auf. Gegen 15.30 Uhr beendeten rund 50 Demonstranten ihre Sitzblockade auf der Aachener Straße, nachdem sie sich Wortgefechte mit Polizeibeamten geliefert hatten. Sie riefen unter anderem: "Wir wollen Gerechtigkeit."
David M. war in den frühen Morgenstunden des 22. Mai nach einem Altstadtbesuch mit zwei gleichaltrigen Freunden in den Kiosk an der unteren Waldhausener Straße gekommen, um Zigaretten zu kaufen. Schon in der Trinkhalle kam es zu einem Streit, als die Kioskbetreiberin die drei alkoholisierten Männer wegen ihres Benehmens hinauswerfen wollte.
Auf dem Gehweg vor dem Büdchen kam es zur Schlägerei. Der 20-jährige Sohn der Geschäftsfrau soll David M. einen Schlag versetzt haben, der ihn zu Boden gehen ließ. Dabei sei er so heftig mit dem Kopf auf das Pflaster gestürzt, dass er sich schwerste Kopfverletzungen zuzog.
Der Verletzte wurde zunächst in einem Gladbacher Krankenhaus versorgt, dann aber in eine Düsseldorfer Spezialklinik geflogen, wo er notoperiert wurde. David M. starb am 25. Mai an seinen Verletzungen. Seitdem kam es immer wieder zu Unruhen rund um den Kiosk.
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