Mönchengladbach: Rassistische Beleidigungen vor Gericht
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 24.06.2010 - 16:17Mönchengladbach (RPO). Beleidigung warf die Staatsanwältin einem Mönchengladbacher vor. Für den Arbeiter (54) war das nichts Neues. Immerhin tauchte die Straftat „Beleidigung“ in dem mit 18 Eintragungen wohl gefüllten Vorstrafenregister des Angeklagten mehr als einmal auf.
Diesmal soll der Mann am 30. November vergangenen Jahres vor der Haustür eines Mietshauses einen Schwarzafrikaner beleidigt haben. Mit „Neger, Hure, Penner und Arschloch“ soll er damals ,so die Anzeige bei der Polizei, den 40-Jährigen beschimpft haben.
„Das stimmt überhaupt nicht“, bestritt der Angeklagte. Ein Kollege habe ihn damals von einer Weihnachtsfeier nach Hause gebracht. In dem Mietshaus wohnt die Lebensgefährtin des Angeklagten. Deren Nachbar ist der Schwarzafrikaner. „Wir tranken vor der Haustür noch ein Bier. Dann kam der Nachbar raus und machte uns an“, erinnerte sich der 54-Jährige unwirsch.
Er habe überhaupt nichts gemacht. Der Nachbar sollte ihn in Ruhe lassen. „Das kann mein Kollege bestätigen, der war dabei“, ergänzte der Angeklagte. Den vollen Namen des Kollegen konnte er allerdings nicht nennen und auch nicht erklären, warum er erst jetzt den Zeugen präsentierte.
Mit dem Schwarzafrikaner gebe es immer Krach im Haus. „Ich möchte ja gern zu meiner Lebensgefährtin ziehen, aber so lange der dort wohnt, geht das nicht“, erklärte er im Gerichtssaal.
Dann kam der Zeugenauftritt des Opfers. Sofort beschuldigte der Schwarzafrikaner den Angeklagten: „Der beleidigt mich immer, so auch an dem Novembertag“. Er habe im Kiosk Salz kaufen wollen. Der Angeklagte sei ihm gefolgt. „Der wollte mit mir eine Schlägerei machen und hat mich als Neger beschimpft“, regte sich der Zeuge auf.
Plötzlich beschuldigten sich die Männer gegenseitig. „Lüg doch nicht so rum“,schrie der Angeklagte. Doch der Nachbar ließ sich nicht beirren: „Alle im Haus haben Angst vor dem Angeklagten.“ Staunend verfolgten die Zuschauer die lautstarke Auseinandersetzung der keifenden Männer, die die Richterin schließlich beendete.
Die Lebensgefährtin konnte zur Aufklärung des Falles nichts beitragen: „Ich war im Keller und habe von dem Krach nichts mitbekommen.“ Der Prozess wird mit weiteren Zeugen fortgesetzt.
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