Mönchengladbach: Rathaussturm: Ampel auf Grün
VON ANDREAS GRUHN UND RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 15.02.2010 - 17:33Mönchengladbach (RPO). Ein Prinzenpaar im Cabrio statt in der Kutsche, ein falscher Mongole, dafür viele echte Asiaten, kleine politische Zündeleien und echte Böller vorm Rathaus - der zweithöchste Karnevalsfeiertag des Jahres war ein echter Knaller.
Der Rosenmontag begann mit Schneechaos und Frostbeulen und endete mit Sonnenschein. Die Kutsche, mit der das Prinzenpaar am Rosenmontag von Pferden durch die Rheydter Innenstadt gezogen wird, musste wegen der Schneefälle vom Sonntag kurzfristig aus dem Verkehr gezogen werden.
Statt dessen kletterten Prinz Holger I. und Niersia Kirsten in das Mercedes-Cabrio von Dieter Beines, dem Präsidenten der Großen Rheydter Prinzengarde. Der hatte das gute Stück in den frühen Morgenstunden noch flugs waschen lassen.
Gut, dass das Prinzenpaar an Karneval immer freie Fahrt hat. Denn die Mitten im Geschunkel und Gebütze vorm Rheydter Rathaus: Rund 25 asiatische Clowns. Die hatte MKV-Boss Bernd Gothe organisiert und damit seine Wette gegen OB Norbert Bude gewonnen.
Für die Vietnamesen im Clowns-Kostüm war es das erste Mal überhaupt, dass sie mit Karneval in Berührung kamen. „Ich weiß: Ich mus Halt Pohl rufen, Bonbons werfen und tanzen”, erahnte Qui Pham (50), einer der älteren der Gruppe. Mehr Erfahrung mit Karneval hatten Mai-Linh Nguyen (15) und To Quynh Nguyen (13). „Unsere Mitschüler fanden‘s cool, als wir denen das erzählt haben”, sagten die beiden Mädchen, die einen Kurs für Vietnamesisch besuchten. Und dort hatte Gothe seine Clowns nämlich aufgetrieben.
Erst zogen sie im Veedelszoch mit den Rheydter Karnevalsgesellschaften durch die Innenstadt, beklatscht von tausenden Besuchern. Und am Rathaus erlebten sie das Rededuell zwischen Oberbürgermeister Norbert Bude und Karnevalsboss Bernd Gothe.
Erst lieferten sich die beiden einige spontane Scharmützel: Zum Baugerüst, über das die Karnevalisten schließlich aus luftiger Höhe ins Rathaus kletterten, sagte Bude: „Das mussten wir als Stadt heute wegen der schlechten Witterung sperren.” Außerdem habe es eine Gewichtsobergrenze, weswegen Gothe es nicht betreten dürfe. „Ich habe aber ziemlich abgenommen”, entrüstete sich der Vorsitzende des Mönchengladbacher Karnevals-Verbands (MKV). „Dann haben wir jetzt also einen fliegenden Elefanten?”, fragte der Oberbürgermeister in Anlehnung an Gothes Spitznamen.
Dann hauten sie sich die Reime um die Ohren, Bude: „Ihr alle das Plakat noch seht, wo Oberem vor seinen Ordnern steht. Die alle sind, man glaube mir, voll lauter leerem Briefpapier. D‘rauf schreibt er Briefe Tag und Nacht, bis er die Ampel ausgemacht.” Währenddessen drückte Gothe munter auf der Fernsteuerung für die Ampel herum, die vor dem Rathaus stand.
Dann stand die Ampel auf Grün: Als es an den Rathaussturm gingen, schauten die Vietnamesen, die alle in Mönchengladbach leben, fasziniert zu. „So etwas habe ich noch nie gesehen”, sagte Truong Thang (44). Die Garde des OB feuerte Kanonenschläge, von der linken Seite näherte sich die Odenkirchener Burggrafengarde Bude wehrte den ersten Angriff mit Schneebällen ab.
Plötzlich stürmte von der rechten Seite die Kinderprinzengarde der Stadt heran, und über das Gerüst kletterten Gardisten und und das Prinzenpaar um 12.11 Uhr (das hielt Gothe für die Nachwelt fest) reckte Prinz Holger I. den Rathausschlüssel in den Rheydter Himmel: „Als Kind war ich beeindruckt vom Rathausstrum. Jetzt stehe ich selber hier als Prinz. Ein tolles Gefühl.”
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