Mönchengladbach: Ratsherr überlebt Bluttat
VON RALF JÜNGERMANN UND GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.08.2009Mönchengladbach (RPO). Der Giesenkirchener Bernd Püllen, FWG-Ratsmitglied, überstand das Drama von Schwalmtal schwer verletzt. Nach Schüssen in Bauch und Gesicht wurde er gestern operiert. Püllens Viersener Kollege starb an seinen Verletzungen.
Was als ganz normaler Arbeitstag begann, endete für den 50-jährigen Bernd Püllen als Alptraum. Der Diplomingenieur, einst CDU-Bezirksvorsteher in Giesenkirchen, arbeitet als Gutachter für den Kreis Viersen. Am Dienstagnachmittag stand die Begutachtung eines Hauses im Schwalmtaler Ortsteil Amern in seinem Kalender.
Drei weitere Männer waren beruflich dort: Püllens Viersener Kollege Michael Rosenkranz und zwei Anwälte aus Viersen und Nettetal. Alle drei Männer sind tot. Allein Bernd Püllen überlebte den heimtückischen Anschlag des 71-jährigen Rentners aus Unna, gegen den gestern wegen dreifachen Mordes und Mordversuchs Haftbefehl erlassen wurde.
Zweimal getroffen
Zwar wurde auch Bernd Püllen zweimal getroffen: in den Bauch und ins Gesicht. Nach RP-Informationen soll er im Gemenge eine Treppe hinunter gestürzt sein. Doch lebensbedrohlich sind seine Verletzungen nicht. Püllen wurde gestern aus Viersen in ein Mönchengladbacher Krankenhaus verlegt.
Am späten Nachmittag wurde er operiert – genau zu der Zeit, als im Rheydter Rathaus eine Sondersitzung des Planungsausschusses begann. Dort ist Püllen Sprecher seiner Partei, der Freien Wählergemeinschaft (FWG). Wie lang seine Genesung dauern wird, vermochte gestern noch niemand zu sagen.
Püllen ist einer der bekannteren Mönchengladbacher Lokalpolitiker. Der Schelsener war Bezirksvorsteher in Giesenkirchen, damals noch für die CDU. Bei der FWG ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Er ist designierter Nachfolger von Parteigründer Erich Oberem. Mit seiner ruhigen und sachlichen Art ist er über die Parteigrenzen hinaus geschätzt – und bringt vielleicht genau die richtigen Voraussetzungen mit, das Drama zu verarbeiten. "Der Bernd schafft das", sagt ein Vertrauter.
Püllen ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Tochter Susanne ist erfolgreiche Fechterin. Sie gehört zum Bundeskader. Die Nachricht von Püllens Verletzung sorgte gestern in Schelsen, aber auch bei der Verwaltung für große Betroffenheit. Jörn Schlein, Vorsitzender des Mönchengladbacher Gutachterausschusses, kennt aus einer eigenen Gutachtertätigkeit nur zu gut eskalierende Situationen: "Wir geraten immer wieder zwischen die Fronten. Und immer öfter wird es dabei so emotional, dass man sich unwohl fühlt", sagte Schlein gestern der RP. Bei etwa einem Drittel der Termine seien die Begutachtungen Folgen von Scheidungen, bei einem weiteren gehe es ums Erben. "In beiden Fällen wird es immer wieder mal heikel", so Schlein.
Auch wenn die polizeilichen Maßnahmen beim Polizeipräsidium in Düsseldorf koordiniert werden, weil zunächst eine Geiselnahme vermutet wurde, wird das Ermittlungsverfahren selbst in Mönchengladbach geführt. Der Gladbacher Erkennungsdienst war am Dienstag und gestern am Tatort tätig. Wie Joachim Banke, Sprecher des Landgerichts gestern mitteilte, ist der mutmaßliche Mörder haft- und vernehmungsfähig. Das habe gestern eine längere Untersuchung im Krankenhaus ergeben.
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