Mönchengladbach: Rauschgift statt Brausepulver
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 26.09.2007Mönchengladbach (RPO). Ein wenig brav saßen der Mönchengladbacher (37) und seine Freundin (48) gestern vorm Schöffengericht auf der Anklagebank. Ein paar Ladendiebstähle gab der vorbestrafte Mann bereitwillig zu. Aber auf weitere Vorwürfe des Staatsanwalts antwortete das Pärchen nur mit empörtem Kopfschütteln. Von wegen Beleidigung oder gar verbotene Abgabe von Rauschgift an einen elfjährigen Jungen. Damit wollte keiner der beiden etwas zu tun haben.
Doch eine Hausfrau (46) hatte im Februar 2006 die Polizei gerufen. Auf dem Rheydter Markt half die Frau Standbesitzern beim Aufräumen. Der Angeklagte habe sie damals unvermittelt angegriffen, beleidigt und geschlagen, sagte sie. „,Ich sei bekloppt und hätte sie nicht mehr alle’, so hat er mich beschimpft“, sagte die 46-Jährige gestern im Gerichtssaal. Der Angeklagte gab lediglich eine „Diskussion“ mit der Frau zu. Aber er bestritt, handgreiflich geworden zu sein.
„Nur ein paar Bierchen“
An den Markttagen hielten sich er und die mitangeklagte Freundin des öfteren in einer Clique am Marktplatz auf. „Wir tranken zusammen ein paar Bierchen“, erinnerte sich der Angeklagte. Dann habe er die Helferin beim Aufräumen am Brotwagen gesehen. „Dort wurde wohl übrig gebliebenes Brot verschenkt“, so der Angeklagte. Sein Bekannter sei allerdings von ihr abgewiesen worden. Da sei er hingegangen und habe nach Geschenken gefragt. Die Reaktion der Frau: „Ihr habt doch für Alkohol genug Geld, da könnt Ihr auch für Brot bezahlen.“ Er habe lediglich die Hand gehoben, verteidigte sich der Mann. „Da ist die zusammen gezuckt, hat mich auf den Arm geboxt und später die Polizei gerufen“, ergänzte er seine Aussage. Den weiteren Anklagevorwurf, der ihn und die Partnerin betraf, bestritt das Pärchen ebenso. Beide sollen dem damals elf Jahre alten Sohn der Markthelferin ein Tütchen mit Amphetaminen zugesteckt haben. Das sei Brausepulver, sollen sie dem Schüler gesagt haben. Die Mutter des Jungen war nach dem Streit auf dem Markt misstrauisch geworden und hatte das vermeintliche Brausetütchen zur Polizei gebracht. Die Beamten sollen fünf Gramm Amphetamine gefunden haben.
Der Schüler, der seiner Mutter an den Markttagen beim Aufräumen half, erinnerte sich gestern an zwei Männer und eine Frau. Dabei wies er im Gerichtssaal auf das Gladbacher Pärchen. Allerdings wusste das Kind nicht mehr, wer ihm damals das Tütchen aufgedrängt hatte.
Der Angeklagte benutzte ein gestohlenes Fahrrad, das vom Sohn des Besitzers mitten in Rheydt entdeckt und danach sichergestellt wurde. „Aber wir haben das nicht gestohlen, sondern von einem Ausländer gekauft“, beteuerte das Pärchen. Der Prozess wird fortgesetzt.
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