Mönchengladbach: Reiner Brandts: Einer gegen alle
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 15.11.2007Mönchengladbach (RPO). Er hat es wieder getan: Reiner Brandts (CDU) nutzte auch das Bürgerforum Verkehr im Haus Erholung, um die Verwaltung wegen der ECE-Pläne anzugehen – wieder gegen den Willen seiner Partei. Die verzweifelt zunehmend an dem Unruhestifter.
Wegen des neuen ECE-Forums werden ab 2011 mehr Autos durch die Innenstadt fahren. Doch die müssen mit weniger Straßen auskommen, weil die riesige Einkaufsgalerie viel Platz einnimmt. Diese Quadratur des Kreises hat die Stadtverwaltung bislang erstaunlich gut hinbekommen. Das findet Betreiber ECE, der das größte Interesse daran hat, dass die Kunden des Forums bei An- und Abfahrt nicht im Stau stehen. Das findet die FDP, die den Vorsitzenden des Bauausschusses stellt. Das fndet die SPD. Und das findet die CDU, die das ganze Projekt vorangetrieben hat. Allerdings neuerdings nicht die ganze CDU. Reiner Brandts, planungspolitischer Sprecher der Partei, übertölpelt seine Partei seit Wochen immer wieder mit unabgestimmten Exklusivmeinungen.
Auch beim Bürgerforum Verkehr im Haus Erholung stellte Brandts in drängendem Ton Fragen an die Verwaltung und vermittelte dem Zuhörer unterschwellig den Eindruck: Die können es nicht. Nur: Alles, was die Verwaltung vorstellte, erarbeitete sie auf Weisung des Rates, also mit Zustimmung der Mehrheitspartei CDU. Und ausdrücklich auch ihres planungspolitischen Sprechers. Brandts hat auf alle Fragen, die er plötzlich mit der gespielten Naivität eines Unbedarften stellt, dutzendfach Antworten bekommen – von ausgewiesenen Experten. Doch denselben Menschen, denen er seit vielen Jahren vertraut, glaubt er plötzlich kein Wort mehr.
Das verwundert Freund wie Feind. Denn es steht viel auf dem Spiel. Kippt die Diskussion, wird es nichts mit dem ECE-Forum. Lothar Beine, Fraktionsvorsitzender der SPD, bekennt sich als verkehrspolitischer Laie. „Ich bin kein Fachmann für Verkehrsflüsse – genau so wenig wie Reiner Brandts.“ Darum sei man auf das Wissen der Experten angewiesen. „Verkehrsplanung ist schließlich keine Hexerei, sondern reine Mathematik“, so Beine.
Drei Gruppen von Gutachtern schickten Autos, Busse und Radfahrer in Computersimulationen über die veränderten Routen. Und alle hochmodernen Programme meldeten am Ende: Der Verkehr wird fließen. Die Lösung funktioniert. Reiner Brandts hat darauf eine schlichte Antwort: Er glaubt es nicht. Und schickt schon mal Ausweichverkehre am Bethesda-Krankenhaus vorbei und durch halb Rheydt. Die gibt’s einzig und allein im Kopf von Reiner Brandts.
Beim Bürgerforum widersprach ihm kein CDU-Kollege – weil keiner aus der ersten Reihe dort war. Wenn der Fraktionschef Rolf Besten dabei gewesen wäre, hätte Brandts keine neuerliche Solo-Nummer gewagt, glauben Insider. Noch am Montag hielt er sich zurück, als in der CDU-Fraktion das Verkehrskonzept erläutert wurde. Besten bekräftigte gestern die Position der CDU. „Es gibt nicht den geringsten Grund, die drei Gutachten, die alle zum selben Ergebnis gekommen sind, anzuzweifeln.“ Kommentar
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