Mönchengladbach: Rekord-Bibliothek
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 11.02.2008Mönchengladbach (RPO). Gladbach greift zum Buch: Die Stadtbibliothek verzeichnete 2007 die meisten Ausleihen ihrer Geschichte. Nicht DVDs und CDs waren gefragt, sondern Bücher und Zeitungen. Vor allem Schüler entdecken die Büchereien für sich.
Geht es nach der Stadtbibliothek, dann greift Gladbach wieder vermehrt zum Buch: Mehr als 1,2 Millionen Medien lieh die Stadtbibliothek im vergangenen Jahr an etwa 525 000 Besucher aus. In ihrer 103-jährigen Geschichte ist dies das beste Ergebnis, das die Stadtbibliothek bisher zu vermelden hatte. „Das ist nicht selbstverständlich. Denn wir haben durch das Internet eine riesige Konkurrenz“, sagt Bibliotheks-Leiterin Brigitte Behrendt. Überraschendes Ergebnis der Statistik, die die Stadt jetzt bekanntgab: Nicht DVDs oder CDs waren am häufigsten gefragt, sondern Bücher. Musik-CDs wurden dagegen erstmals weniger von Kunden ausgeliehen als im jeweiligen Vorjahr.
Lessing war der Renner
Damit liegt die Mönchengladbacher Stadt-Bibliothek im landesweiten Trend, wonach in den Ausleihzahlen die Bücher einen wesentlich höheren Stellenwert einnehmen als noch vor Jahren. Auch in anderen Städten, so verrät das Ergebnis einer Forsa-Studie, wurde das Buch wieder zum zentralen Element in der Ausleihe. Daneben zeichnete sich 2007 in Mönchengladbach ein ganz neuer Trend ab: 60 Prozent Bibliotheks-Besucher leihen nichts aus, sondern lesen Zeitungen, Zeitschriften oder Bücher gleich im Lesesaal in der ersten Etage. „Wenn wir morgens die Türen öffnen, dann warten viele Kunden schon und stürzen sich auf die Zeitungen“, sagt Behrendt. „Der Printbereich zieht stark an.“
Die Bibliothekarin führt das auf die Eigenheiten des Internets zurück. Während Nutzer im Netz häufig Musik und Filme runterladen und diese nicht mehr ausleihen, setzt sich kaum jemand vor den Bildschirm, um ein Buch zu lesen. „Das Internet kann dem klassischen Buch eben nicht den Rang ablaufen“, sagt Brigitte Behrendt.
Hauptgrund für die starke Nachfrage in den Bibliotheken sind Kinder und Jugendliche. Der am stärksten frequentierte Bereich in der Stadtbibliothek an der Blücherstraße ist die Kinder- und Jugendbibliothek im Erdgeschoss. Die Stadtteilbibliothek in Giesenkirchen verzeichnete 87 Prozent Neuanmeldungen, davon waren 77 Prozent minderjährig. Doch auch die Schüler leihen nicht etwa Musik aus, sondern Bücher. „Schüler lesen wieder mehr. Vor allem Romane“, stellt Brigite Behrendt fest. Diese Entwicklung sieht sie auch als Ergebnis der verschiedenen Schüler-Aktionen, die die Stadtbibliothek in jedem Jahr durchführt.
Dadurch kommt diese Konstellation zustande: Der Lehrplan der Schulen diktiert die Ausleihzahlen in den Bibliotheken. „Der Renner war das Drama Emilia Galotti mitsamt Interpretationshilfen“, sagt Behrendt. Lessings Drama war eines der sicheren Themen im Zentralabitur.
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