Mönchengladbach: Rentnerpaar soll Haus abreißen
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 16.06.2010Mönchengladbach (RPO). 1992 haben sich Willi und Christa Graf ihren Traum von den eigenen vier Wänden erfüllt. Sie kauften ein 43 Jahre altes Haus in Dohr. Jetzt sollen sie es abreißen. Damit stünde bereits die zweite Familie unverschuldet vor dem Nichts.
Nach dem Fall in Wickrathberg soll nun ein weiteres Wohnhaus abgerissen werden. So will es die Stadt. Wieder einmal handelt es sich um einen Schwarzbau. Wieder einmal fiel dieser Umstand erst Jahrzehnte später auf.
Als Willi und Christa Graf vor 18 Jahren das kleine Häuschen Am Rottland 10 für 150 000 Mark kauften, wussten sie nicht, dass es ohne Baugenehmigung errichtet worden war. Das wäre ihnen auch nicht in den Sinn gekommen. Das Gebäude stand immerhin schon seit 1949 an dieser Stelle, war seit Jahrzehnten bewohnt und voll unterkellert. Der Kauf wurde notariell bestätigt, Grunderwerbsteuer eingefordert und auch bezahlt.
Ordnungsverfügung der Stadt
Willi und Christa Graf dachten, alles sei in Ordnung. Auch dann noch, als sie kurze Zeit später ins Bauordnungsamt bestellt wurden. "Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass das Haus im Landschaftsschutzgebiet steht und eigentlich nicht dort sein dürfte. Aber der Herr erklärte uns, dass man das Gebäude aufgrund des Alters dulden werde. Wörtlich sagte er: ,Nur Sie dürfen dort wohnen, sonst keiner.'", berichtet Willi Graf.
Das Ehepaar erfuhr, dass ihr Haus zunächst als Bienen- und Obstaufbewahrungshaus genutzt wurde, bevor 1952 Menschen einzogen. Die Grafs bekamen die Auflage, das Gebäude auf keinen Fall zu vergrößern. Beruhigt fuhren die beiden nach Hause, lebten dort 16 Jahre unbehelligt, zahlten Grundsteuer und alle sonstigen Nebenkosten.
Vor zwei Jahren kam die Ordnungsverfügung der Stadt: Das Gebäude sei illegal errichtet worden und müsse weg. Das Rentnerehepaar verstand die Welt nicht mehr. "Das Haus sollte unsere Altersvorsorge sein, da ist meine ganze Lebensversicherung hineingeflossen", sagt Willi Graf (64). Das Rentnerehepaar schaltete einen Anwalt ein, zog vors Verwaltungs- und Oberverwaltungsgericht und reichte eine Petition ein. Doch juristisch gesehen ist die Stadt im Recht.
Warum das Haus des Rentnerehepaars plötzlich nicht mehr geduldet wird, weiß Willi Graf nicht so genau. Der städtische Rechtsamtsdirektor habe erklären lassen, dass sich für das Ehepaar die damalige Investition nach 18 Jahren längst rentiert habe. Nun müsse das Landschaftsschutzgebiet wieder frei gemacht werden. Der Rentner versteht das nicht: "Bei uns gegenüber stehen doch auch 25 Garagen."
Auch wenn die Stadt im Fall der Grafs wie auch im Fall des Wickrathberger Ehepaars im Recht ist, ist wohl das letzte Wort noch nicht gesprochen. Stadtsprecher Dirk Rütten: "Die Verwaltung will alle strittigen Fälle noch einmal intensiv überprüften."
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