Mönchengladbach: Rheydt: Wie es ist und werden kann
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 29.12.2007Mönchengladbach (RPO). Der Stadtteil ist im Umbruch. Experten des Büros Scheuvens und Wachten haben Modelle vorgelegt, wie sich die Rheydter City verändern könnte. Es gibt erste Pläne, Rheydt zu einem landesweiten Projekt zu machen. Davon könnten Hausbesitzer profitieren, wenn es Fördergelder gibt.
In den nächsten Wochen könnte Rheydt Thema im NRW-Bauministerium sein. Der Grund: Professor Kunibert Wachten, der das Innenstadtkonzept für Rheydt erarbeitet, will bei Minister Oliver Wittke für den Stadtteil werben. Dabei steht weniger Rheydt im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Tatsache, dass es hier viele 50er Jahre-Bauten gibt, die zukunftsfit gemacht werden müssen. Im Klartext heißt dies: Sie müssen saniert werden, weil sie bei Wärmedämmung und Energieeffizienz nicht mehr den heutigen Anforderungen genügen. Rheydt als Vorbild für ein landesweites Förderprogramm? Das ist eine Option für den Stadtteil. Gibt es noch andere, fragen sich viele Bürger, die in den vergangenen Monaten die Arbeit der Raumplaner vom Büro Scheuvens und Wachten intensiv begleitet haben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen: Wird die Stadt viel Geld in die Umgestaltung Rheydts stecken? Eher nein. Die Stadt wird sich auf den Marktplatz konzentrieren. Seine Umgestaltung soll ein Signal werden. Es ist wahrscheinlich, dass die Pavillons verschwinden. So entsteht eine offene Fläche, die durch Bäume aufgelockert werden kann. Die Stadt will demnächst Sträucher und Büsche zurückschneiden und entfernen, die an der evangelischen Hauptkirche und in der Passage zwischen Rathaus und Karstadt bereits gepflanzt sind. So soll Transparenz entstehen, „Angsträume“ werden beseitigt. Gibt es öffentliche Fördergelder? Bis jetzt nicht. Zieht das Land mit und erwärmt sich für Wachtens Idee, dann könnte Rheydt ein Modellprojekt werden, wie Nachkriegsbauten in eine moderne Innenstadt integriert werden. Die Stadt kann sich wegen ihrer Haushaltslage nicht stärker engagieren. Viel hängt von der privaten Investitionsbereitschaft ab. Stadt und Politik müssen die Hausbesitzer motivieren, damit sie mit ins Boot steigen. Das „Rossini“ am Marktplatz ist so ein positives Beispiel. Eine wichtige Voraussetzung für Geldgeber: Das Konzept muss stimmen. Braucht Rheydt neue Ideen? Keine Frage: Ja. Der FDP-Vorstoß, in der Rheydter City auf Verkehrsschilder, Ampeln und Straßenmarkierungen zu verzichten, geht da in die richtige Richtung. Aber nur, wenn dieses Vorhaben umsetzbar ist. Es gibt bereits in den Niederlanden, in Belgien, Dänemark, England und in Deutschland vergleichbare Konzepte. Diese „Shared-Space-Verkehrsprojekte“ basieren darauf, dass Verkehrsregeln beseitigt und durch soziale Regeln ersetzt werden. Wichtiger Nebeneffekt für die klamme Stadt: Die EU fördert dieses Konzept mit Zuschüssen.
Wie wichtig sind die Publikumsmagneten? Als Frequenzbringer sind sie unverzichtbar. Das bedeutet: Sie holen viele Kunden in die Stadt, die dann auch in anderen Geschäften einkaufen. Die Shopping-Galerie gehört ebenso dazu wie Karstadt. Was ist mit dem Leerstand? Er ist und bleibt ein Problem. Denn er wirkt abschreckend auf Kunden: Wer fährt zum Einkaufen in eine City, in der viele Geschäftslokale leer stehen? Als Zwischenlösung schlägt Prof. Wachten „Kaufhäuser auf Zeit“ vor. Bei diesem Thema müssen Verwaltung und Politiker für weitere kreative Ideen sorgen. Wie sieht Rheydts Zukunft aus? Besser, als es viele Skeptiker einschätzen. Rheydt braucht neue Wohnkonzepte, die Menschen in die Stadt holt: junge Familien, Singles, Studenten. Ein Schlüsselprojekt ist da die Alte Post: Hier sollten, so die Planer, Wohnungen mit Mini-Gärten und Höfen entstehen. Kernthese: Mit Atmosphäre kann sich Rheydt ins Licht rücken.
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