Mönchengladbach: Rheydter Rathaus ist gestürmt
zuletzt aktualisiert: 23.02.2009 - 12:59In Rheydt haben die Narren am Montag das Rathaus über eine blitzblanke Treppe gestürmt. Während das jecke Volk aufrecht schunkelte, schrubbte der Karnevalsboss auf allen Vieren. Bernd Gothe löste seine Wettschuld ein.
Beim Karneval in Rheydt ist alles anders: Da schwebt keine Jungfrau, sondern der Prinz. Da gackern auch keine Hühner, sondern der Oberbürgermeister. Und die Rathaustreppe wird nicht von 400-Euro-Kräften geputzt, sondern vom närrischen Boss höchstpersönlich. Und das alles vor einer Kulisse von offiziell geschätzten 10.000 Jecken, allesamt Schirmherren und -frauen in Folge der allgemeinen Wetterlage.
Zum Glück haben die Garderottis, echte Shooting-Stars im Rheydter Karneval, nicht nur ein schier unerschöpfliches Repertoire an rheinischen Schlagern, sondern auch die Anleitung fürs „Singing in the Rain”: eine Hand am Regenschirm, die andere auf den tragenden Arm des Schunkelnachbarn. Bernd Gothe, Chef des Mönchengladbacher Karnevalsverbandes, trug gestern Schürze und Putzeimer.
Weil er gewettet hatte, dass zum Altweibertreffen 111 Möhnen kommen, in Wirklichkeit aber „nur” 88 erschienen, musste er gestern zum Feudel greifen. „Wenn ich verliere, schrubbe ich die Rathaustreppe mit der Zahnbürste”, so lautete sein Wetteinsatz.
Bernd Gothe nahm‘s gelassen, auch wenn der Oberbürgermeister ihn ganz schön triezte. „Wir woll‘n dich putzen sehen! Wir woll‘n dich putzen sehen!”, skandierte Norbert Bude vom sicheren Rathausbalkon. Aber der Karnevalsboss hatte sich offensichtlich schon mit seinem Schicksal angefreundet. Als der Rosenmontagszug auf dem Marktplatz eintraf, liebäugelte er zunächst noch mit den Fetzenkostümen der Villa Kunterbunt. Sah er dort nicht lauter Feudel? Dann schritt Gothe zur Tat. Getauscht wurde Narrenkappe gegen Kopftuch. „Ist das deine Hohlraumversiegelung?”, frotzelte Karnevalsurgestein Bella Peltzer. Aber Gothe war schon im Putzrausch.
Währenddessen rüsteten sich die närrischen Garden zum Sturm auf das Rathaus. Der Oberbürgermeister gackerte noch ein bisschen vom Balkon, um die Bio-Bühner im Karnevalsumzug zu begrüßen (närrischer Kommentar von Gothe: „Ja, ja, das ist die Sprache, die du verstehst.”). Dann rappelte es im Karton, oder besser gesagt: auf der frisch polierten Treppe.
Dabei hatten sich die gelb-blauen Funken, die Bodyguards des Stadtoberhaupts, eine ganz ausgebuffte Verteidigungstrategie ausgedacht: „Wir haben diesmal viele Frauen dabei. Die sollen eine Charmeoffensive starten.” Zur Sicherheit wurden dann aber doch Warnschüsse aus den gelb-blauen Kanonen abgefeuert. Vielleicht hätte es es diesmal ja mit der Verteidigung geklappt. Doch dann kam der Überraschungsangriff unter dem Codenamen „schwebende Prinzen”.
Marcus I. und Kinderprinz Yannick I. wurden über einen Kran auf den Rathausbalkon gehievt. Und ab da war alles ein Kinderspiel. Die Prinzessinnen folgten, der Oberbürgermeister ergab sich, ab jetzt regieren die Narren. „Lasst es krachen”, rief Prinz Marcus seinem jecken Volk zu. Heute geht das noch.
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