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Mönchengladbach: Rufmord im Internet

VON PHILIPP COENEN - zuletzt aktualisiert: 23.08.2008

Mönchengladbach (RPO). Auf einer amerikanischen Homepage schimpfen Menschen völlig unverblümt über ihre Nachbarn. Jetzt ist die Läster-Welle nach Mönchengladbach übergeschwappt. Datenschützer und Juristen schlagen Alarm.

So sieht die amerikanische Internet-Seite aus, die mittlerweile auch in Mönchengladbach häufig angeklickt wird. Viele Lästerer wissen nicht: Sie können zu Geldbußen verurteilt werden. www.rottenneighbors.de Foto: RPO
So sieht die amerikanische Internet-Seite aus, die mittlerweile auch in Mönchengladbach häufig angeklickt wird. Viele Lästerer wissen nicht: Sie können zu Geldbußen verurteilt werden. www.rottenneighbors.de Foto: RPO

Die Kinder toben zu laut im Garten, immer wieder dröhnen die Bässe der Stereoanlage auf die Straße, der Hausflur wird seit Wochen nicht mehr geputzt. Aufgepasst: Auf der Internetseite www.rottenneighbors.com schwärzen Gladbacher ihre Nachbarn an.

Auf der Homepage mit dem Namen „Mieser Nachbar“ wird gelästert, was das Zeug hält. Zu lesen gibt es blanke Bosheiten: „Er feiert ständig krank. Sie hat dauernd andere Kerle.“ Oder: „Er soll sich lieber um seine Kinder, statt um seinen Porsche kümmern.“ Richtig heftig werden die Beschuldigen, wenn es um Straftaten wie Kindesmissbrauch oder Diebstahl geht.

Das Prinzip der Lästerei ist ganz einfach: Auf einer Mönchengladbach-Karte sind Adressen mit kleinen roten Häusern markiert. Wer drauf klickt, zoomt sich via Satellitenaufnahme ganz nah an das jeweilige Haus heran und kann exakt erkennen, wo die Person wohnt. Ein Fenster öffnet sich, in dem die Beiträge zu dem jeweiligen Bewohner zu lesen sind.

„Eine Katastrophe“, meint Bettina Gayk (46), Sprecherin der Datenschutzbeauftragten NRW. „Hier werden Menschen einfach bloßgestellt und das Schlimmste an der Sache: Niemand kann zur Rechenschaft gezogen werden.“

Normalerweise wäre es gar kein Problem, den Lästermäulern den Mund zu stopfen – mit einer einstweiligen Verfügung auf Unterlassung. „Und wenn der Täter sich nicht daran hält, können Geldbußen bis zu 500 000 Euro fällig werden“, erklärt der Vorsitzende des Anwaltverein Mönchengladbach, F. Manfred Koch.

Doch das Problem liegt woanders: Zum einen ist die Schmähseite in Besitz einer amerikanischen Firma, dort läuft sie völlig legal im Netz. Zum anderen werden die Einträge anonym veröffentlicht – eine Anmeldung mit personenbezogenen Daten ist nicht notwendig.

Da es keinen Absender gibt, können sich die Opfer kaum zur Wehr setzen. Einzige Möglichkeit: „Der Geschädigte müsste gleich nach der Veröffentlichung des Beitrages den Anbieter anschreiben und die IP-Adresse des Users verlangen. „Aber die werden in der Regel nach 24 Stunden gelöscht“, erklärt Rechtsanwalt Florian Meßler (31). Wie ist der Internet-Pranger zu stoppen? Vor dieser Herkules-Aufgabe stehen die Datenschutzbeauftragten der europäischen Länder. „Eine Lösung kann es nur auf EU-Ebene geben“, so Gayk. „Vielleicht kann man eine Sperrung der Seite für den europäischen Raum bewirken“, so die Datenschützerin.

Solange aber wird weiter gelästert, und die Opfer bleiben hilflos. Mittlerweile tauchen auch die ersten Fälle von Nachbarschaftsliebe im Netz auf. Markiert mit einem grünen Haus ist bei der Adresse „Am Borussia Park“ zu lesen: „Das beste Stadion der Welt. Hier geben wir den Kölnern Grund, auf uns neidisch zu sein.“

Quelle: RP

 
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