Mönchengladbach: Salafist beleidigte und muss 375 Euro zahlen
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 15.11.2011Mönchengladbach (RP). Pünktlich betrat der Angeklagte (21) mit dem für Salafisten üblichen Bart gestern den Gerichtssaal. Der 21-Jährige war aus seinem neuen Wohnsitz Braunschweig angereist, weil er sich vor dem Mönchengladbacher Amtsgericht wegen Beleidigung verantworten musste.
Am 16. April war er an der Hindenburgstraße vor den Infoständen von Unterschriftensammlern aufgetaucht. Offensichtlich gefiel dem zum Islam konvertierten jungen Mann die Botschaft auf den Flyern nicht. Da war eine Frau mit Kopftuch abgebildet, die Lehrerin werden wollte. Der 21-Jährige rief: "Ihr seid alle Nazis. Nazis müssen raus aus Deutschland."
"Ja, das war ich. Ich habe das aber nur so in den Raum geworfen und keinesfalls die Menschen hinter dem Infostand gemeint", verteidigte sich der Angeklagte. "Das war Blödsinn", gab der 21-Jährige zu. Dass das Geständnis nur die halbe Wahrheit enthielt, machten die Aussagen der Zeugen deutlich. Sie hatten im April die Polizei gerufen. Der Angeklagte sei an ihren Infoständen vorbeigekommen und habe gerufen: "Nazis raus, wir wollen keine Nazis in Mönchengladbach", so gestern eine Zeugin (44). "Wir auch nicht", habe sie erwidert. Ein paar Minuten später sei der junge Mann zurückgekommen, habe sich umgedreht, auf jeden am Infostand gezeigt und erneut gerufen: "Ihr seid alle Nazis, Nazis raus."
Die empörten Gladbacher zeigten ihn wegen Beleidigung an. Danach verlas der Richter einen Bericht der Braunschweiger Jugendgerichtshilfe, was der Angeklagte nicht verhindern konnte: "Von einem schlechten Bild von mir soll einer Religionsgemeinschaft nicht geschadet werden." Dabei wurde bekannt, dass die streng katholische Familie des Salafisten aus Polen stammt. Und: Der 21-Jährige, der in Braunschweig von einem 400-Euro-Job lebt, ist mehrmals vom Jugendrichter mit Arresten bestraft worden. Diesmal wurde er als Erwachsener wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 375 Euro verurteilt.
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