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Mönchengladbach: Salafisten attackieren die Presse

VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 13.03.2011 - 19:35

Mönchengladbach (RPO). Rund 250 Salafisten skandierten am Sonntag vor dem Redaktionsgebäude an der Fliethstraße: "Stoppt die Hetze der Rheinischen Post!" Pierre Vogel bezeichnete RP-Redakteure als Lügner und Übeltäter. Über 100 Polizisten waren im Einsatz. Zur Demonstration war bundesweit aufgerufen worden.

Sven Lau.  Foto: dapd, dapd
Sven Lau. Foto: dapd, dapd

Pierre Vogel, einer der bekanntesten radikalen muslimischen Prediger Deutschlands, baute sich gestern am späten Nachmittag mit dem Megaphon vor dem Eingang der Redaktion der Rheinischen Post auf. "Hier leben die Übeltäter, die an der Hetze gegen uns teilnehmen", sagte Vogel, immer wieder von Rufen und Beifall seiner Anhänger unterbrochen. Sven Lau, vom Verein "Einladung zum Paradies", schnappte sich das Megafon und rief: "Stoppt die Hetze der Rheinischen Post!"

Die RP hatte in den vergangenen Monaten über die Pläne des Vereins "Einladung zum Paradies" berichtet, in Mönchengladbach ein Islamzentrum einzurichten. Die Salafisten werden vom Verfassungsschutz beobachtet. Sie interpretieren den Koran besonders streng. Für einige islamistische Terroristen soll der Salafismus der geistige Nährboden gewesen sein.

Info

Gebete draußen

3. August 2010 Der Verfassungsschutz informiert über den Umzug des Vereins "Einladung zum Paradies" (EZP) nach Gladbach.

27. August 200 Bürger gründen eine Initiative gegen die EZP.

September Die Salafisten treffen sich auf dem Eickener Marktplatz zum Freitagsgebet, weil ihre Moschee versiegelt wurde.

Januar Die Salafisten treffen sich regelmäßig in einer Privatwohnung an der Eickener Straße zu Gebeten. Die Stadt untersagt diese Treffen. Es gebe kein Nutzungsrecht.

Als Demonstrationszug "zu den Lügenbaronen" hatte Lau die bei der Polizei angemeldete Aktion bezeichnet. Allah werde, so Lau, den Lügnern den Boden unter den Füßen wegziehen. Auf dem Weg vom Alten Stadttheater, wo die Kundgebung ihren Beginn gefunden hatte, zur Fliethstraße, wurden verschiedene Parolen gegen Journalisten vor allem dieser Zeitung skandiert. So wurde unter anderem behauptet, die Rheinische Post hetze gegen den Islam und stachele so Rechtsextreme auf.

Auch der Sprecher der Bürgerinitiative, Wilfried Schultz, wurde immer wieder als "Lügner" tituliert und scharf angegriffen. Einer der Redner meinte, die Bürgerinitiative bestehe aus "alten Leuten, denen der Durchblick fehlt". Sven Lau sagte angesichts der Debatte um die Gleichberechtigung im Islam an die Nicht-Moslems gewandt: "Ihr seid nicht wert, der Dreck unter den Füßen unserer wunderbaren Frauen zu sein."

Foto: dapd, dapd

Pierre Vogel versicherte, seine Äußerungen zur probeweisen Einführung der Scharia in Deutschland seien missverstanden worden. "Ich habe den Fehler gemacht, bei meiner Argumentation nicht die Dummheit mancher Zuhörer zu bedenken", so Vogel. Sein Rat sei nicht wörtlich gemeint gewesen. Allerdings sei wohl unbestritten, dass dank der Scharia – die unter anderem das Handabhacken für Diebe fordert – die Kriminalitätsrate sinken würde. Vogel forderte die Musliminnen, die noch kein Kopftuch tragen auf, dies zu ändern. "Seid stolz auf eure Religion. Geht morgen aus dem Haus und bedeckt euch", rief er ihnen zu.

Vogel rief seine Anhänger dazu auf, besonnen zu bleiben. Er habe Verständnis dafür, dass viele sehr wütend seien, "weil sie andauernd mit Lügen konfrontiert werden". Dennoch gelte es, beherrscht zu bleiben. "Haltet euch von Gewalttaten fern", so Vogel. Die Polizei war mit starkem Aufgebot vertreten, weil bundesweit für die Kundgebung in Mönchengladbach mit dem Titel "Stoppt die Hetze gegen den Islam" aufgerufen worden war. Darum gab es Befürchtungen, dass gewaltbereite Demonstranten angezogen werden könnten. Für Sven Lau hingegen ist klar: "Der Islam ist die Religion der Barmherzigkeit."

Quelle: RP

 
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