Mönchengladbach: Salafisten gehen auf die Straße
VON JAN DREBES UND GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010Mönchengladbach (RPO). Der Verein "Einladung zum Paradies" will nun jeden Freitag auf dem Eickener Markt beten. Dies ist eine Reaktion auf das Verbot, die Moschee zu nutzen. Gegen die geplante Islamschule demonstrierten am Freitag 300 Bürger.
Sven Lau, zweiter Vorsitzender des Vereins "Einladung zum Paradies" (EZP), hatte es angekündigt: "Wenn wir nicht mehr in unsere Moschee dürfen, gehen wir auf die Straße." Seit gestern ist es soweit: Das Gebetshaus an der Eickener Straße ist versiegelt, das Freitagsgebet findet auf dem Eickener Marktplatz statt. Gestern Nachmittag trafen sich dort zum ersten Mal rund 130 Anhänger. Männer mit langen Bärten und Frauen, zum Teil voll verhüllt, kamen zum Gebet, das bei der Polizei als Kundgebung angemeldet worden war.
EZP-Ordnungshüter in Schwarz
Prediger Sven Lau wetterte erneut gegen die Medien und versicherte, dass die Anhänger des Vereins friedlich seien. "Wir sehen nur anders aus, wir wollen keinem Angst einjagen", verkündete er. Als jedoch eine Frau nach vorne trat und mehrfach dazwischen rief "Ihr unterdrückt Frauen und Kinder!", konterten die Anhänger des Vereins mit lautem und aggressivem "Allahu Akbar" (Gott ist der Größte). Einer der EZP-Ordnungshüter des Freitagsgebets in schwarzer Kleidung soll später "Sexobjekt" zu ihr gesagt haben. Während des Gebets ließ der Verein alle Gesichter der Umstehenden filmen.
So lange die Moschee versiegelt bleibt, soll das Freitagsgebet auf dem Eickener Markt stattfinden. Aber auch die Gegner der umstrittenen Islamschule wollen weiter auf die Straße gehen. Dazu trafen sich gestern Abend mehrere Hundert Mitglieder der Bürgerinitiative, die sich vor einer Woche in der Mehrzweckhalle gegründet hatte, auf dem Eickener Marktplatz. Ihr Demonstrationszug führte über die Hindenburgstraße bis zum Alten Markt. Unterwegs schlossen sich auch Passanten dem Protest an. Am Ende versammelten sich mehr als 300 Menschen am Alten Markt. Wilfried Schultz, einer der Initiatoren der Bürgerinitiative, hielt zum Abschluss eine kurze Ansprache, in der er ablehnte, mit den "islamistischen Extremisten" reden zu wollen. "Mit denen kann man keinen Dialog führen und deswegen wollen wir das auch gar nicht", sagte Schultz und erntete Applaus. Er sprach auch Lob für die Parteien und die Stadtverwaltung aus, die sich mittlerweile stärker rühren würden und Erfolge gegen die Salafisten vorzeigen könnten. Die Nachricht, dass der Eilantrag des Vereins "Einladung zum Paradies" auf Nutzung der Moschee vor dem Verwaltungsgericht abgewiesen wurde, löste heftiges Klatschen bei den Demonstranten aus.
Am Rande der Kundgebung fielen die Meinungen aber gemischt aus. "Ich finde es gut, dass die Menschen für ihre Überzeugungen auf die Straße gehen und kann die Angst vor Extremisten verstehen", sagte eine Passantin. Kopfschütteln löste die Demo bei Hasan Polat aus. Der 36-Jährige hält sowohl das Freitagsgebet der Salafisten auf dem Marktplatz als auch die Demonstration der Bürgerinitiative für kontraproduktiv.
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