Mönchengladbach: Salafisten: Initiative kündigt neue Demos an
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 13.01.2011Mönchengladbach (RPO). Wilfried Schultz ist gerade aus dem Urlaub zurück. Erholt sieht der Sprecher der Eickener Bürgerinitiative jedoch nicht aus. Eher wütend. "Ganz schön wütend sogar", sagt er selbst.
"Eigentlich kann ich mich nicht daran erinnern, wann ich überhaupt schon mal dermaßen aufgebracht war." Grund für seinen Ärger ist der neue Versammlungs- und Gebetsraum der Salafisten in einer Privatwohnung.
Nachdem die Bürgerinitiative mit Unterstützung von Politik und Behörden die Zwangsräumung der ehemaligen Anlaufstätte bewirkt hatte, kündigte sich schon zu Beginn des Jahres neuer Ärger an. "Wir haben uns vor Weihnachten mit einem guten Gefühl in die Ferien verabschiedet", erzählt Schultz, den es über die Feiertage nach Florida verschlug. Doch schon kurz nach der Landung ereilten ihn die ersten Meldungen aus der Heimat. "Da kommt man zurück, ist gerade einmal zweieinhalb Wochen nicht auf deutschem Boden gewesen, und schon steht man wieder da, wo man letzten August schon stand: Ganz am Anfang."
Angst, die Wohnung zu verlassen
Nachdem die Moschee der Salafisten versiegelt wurde und das Zelt auf der Eickener Straße abgebaut worden war, ist der umstrittene islamistische Verein "einfach ein Häuschen weiter gezogen", so Schultz. Mehr als 60 Menschen treffen sich laut Anwohneraussagen in dem Wohnhaus an der Eickener Straße zum Freitagsgebet. In einer etwa 110 Quadratmeter großen Wohnung sollen außerdem Schulungen abgehalten werden.
"Die Leute im Haus haben Angst, den Hausflur zu betreten. Sie haben Polizei und Politik ganz genau geschildert, was Sache ist – aber keiner greift ein", echauffiert sich Schultz. Er kündigte bei einer kurzfristig einberufenen Versammlung der Bürgerinitiative nun härtere Maßnahmen an. "Schluss mit den Höflichkeiten!", fordert er. Man fühle sich von Politik und Behörden an der Nase herum geführt, alleine gelassen und verschaukelt. "Alle haben uns ihre Unterstützung zugesagt. Die Minister, der Bürgermeister, die Polizei. Wir fühlen uns von diesen radikalen Islamisten bedroht – und keiner hilft uns."
Für morgen ist zurzeit des Freitagsgebets der Salafisten eine Demo vor deren neuer Versammlungsstätte bis hin zum Eickener Marktplatz angesetzt. "Und zur Not demonstrieren wir jetzt jeden Tag", ruft Wilfried Schultz in den Versammlungsraum und erntet von den über hundert Teilnehmern heftigen Beifall. Schultz plant, nach eingehender Prüfung, Unterlassungsklagen gegen Politik und Polizei in die Wege zu leiten und die Salafisten wegen bauordnungsrechtlicher Verstöße anzuzeigen. "Die Menschen dieser Stadt merken gerade, dass auf Behörden und Politik kein Verlass ist", so Schultz. Das sei das Schlimmste, was einem Bürger passieren könne.
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