Mönchengladbach: Salafisten planen Hasspredigten an Heiligabend
VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 02.12.2010 - 07:30Mönchengladbach (RPO). Radikalislamische Salafisten um den rheinischen Konvertiten Pierre Vogel wollen den Vorabend des Weihnachtsfests zur Hetze gegen westliche Werte nutzen und zum "Heiligen Krieg" aufrufen.
Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz ist vorgewarnt: An Heiligabend und Silvester wollen radikale muslimische Prediger im Rheinland "Islam-Seminare" veranstalten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd handelt es sich um Bonn und Elsdorf bei Kerpen. Darüber hinaus seien mehrtägige Großveranstaltungen in der Bundeshauptstadt Berlin geplant.
"Das sieht wie eine konzertierte Aktion aus", heißt es im NRW-Innenministerium auf Anfrage unserer Redaktion. Ob es sich um eine neue Form der Zusammenarbeit von Islamisten handle, sei einstweilen unklar. Dem Verfassungsschutz seien jedoch die salafistischen Prediger einschlägig bekannt: "Wir haben sie im Blick", so eine Sprecherin.
In Nordrhein-Westfalen predigten Salafisten in etwa 20 Moscheen. Sie wenden sich laut Verfassungsschutz gegen die westlichen Werte und fordern die Einführung der Scharia, des islamischen Strafrechts. Zu dieser Rechtsordnung gehört die Steinigung von Frauen bei Ehebruch und die Amputation von Händen bei Diebstahl. "In der radikalsten Form kann das bis zur Verherrlichung des Dschihad (Heiliger Krieg, die Redaktion) reichen", heißt es.
Mit ihren Hasspredigten wollten die Salafisten vor allem junge Anhänger erreichen. Es sei nicht ungewöhnlich, dass sie an christlichen Feiertagen verstärkt predigten. Damit solle verhindert werden, dass sich ihre deutschen Konvertiten wieder auf christliche Werte rückbesinnen, sagen Islam-Experten.
Im August war bekannt geworden, dass eine Gruppe von Salafisten, die sich "Einladung zum Paradies" nennt, in Mönchengladbach eine "Islamschule" errichten wollte. Diese Pläne seien inzwischen wohl aufgegeben worden. Die Islamschule bleibe offenbar in Braunschweig, so das Innenministerium, das sich auf Äußerungen aus Salafisten-Kreisen stützt.
Laut dapd findet die größte Veranstaltung der radikalislamischen Salafisten vom 24. bis 26. Dezember in der Al-Nur-Moschee in Berlin statt. Mit dabei sind der rheinische Konvertit Pierre Vogel, eine der führenden Figuren der Islamisten im Rheinland, und der Berliner Imam Ferid Heider.
Vogel wurde 1978 in Frechen geboren. Evangelisch getauft, machte er Karriere als Boxer und begegnete dabei dem Islam, zu dem er 2001 übertrat. Der Konvertit, der auch unter dem Namen Abu Hamza auftritt, gilt als populärster salafistischer Prediger Deutschlands. Er war in die Schlagzeilen geraten, als er bei einer Ansprache in Mönchengladbach Kanzlerin Angela Merkel riet, in Problemvierteln wie in Berlin-Neukölln die Scharia einzuführen. Vogels Ansichten gelten als integrations- und verfassungsfeindlich. Er wird deshalb vom Verfassungsschutz überwacht. Gewalt und Terror hat er allerdings immer abgelehnt.
In Berlin dürfte neben Vogel und Heider der frühere Rapper Deso Dogg Aufsehen erregen. Er tritt seit einiger Zeit unter dem Namen Abou Maleeq auf und gilt als fundamentalistischer Muslim. "Es bestätigt sich, dass die salafistische Szene versucht, junge Leute auch mit Musik für ihre Ideologie zu gewinnen", sagte eine Sprecherin des Berliner Verfassungsschutzes.
Die salafistische Ideologie orientiert sich an der Zeit des Propheten Mohammed. Ihre Anhänger streben einen islamistischen Gottesstaat an, in dem es keine "vom Menschen erfundenen" Gesetze gibt, sondern in dem die Scharia gilt. Richtschnur allen Handelns ist in ihrem Denken allein der Koran. Atheisten, Anhänger anderer Religionen und – je nach Interpretation – auch gemäßigte "irregeleitete" Muslime landen der Ideologie zufolge in der Hölle.
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