Mönchengladbach: Sanieren oder abreißen
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 05.08.2008Mönchengladbach (RPO). Der Immobilienmarkt in der Stadt ist für Anbieter schwierig: Wer ein älteres Haus verkaufen oder vermieten will, muss es auf den neuesten Stand der Energietechnik bringen. Investoren interessieren sich kaum für Gladbach.
In Mönchengladbach ist der Immobilienmarkt für ältere Wohnungen und Häuser schwierig: Sie lassen sich kaum noch vermieten oder verkaufen. Denn oft ist der Energieverbrauch besonders hoch – und wird immer teurer. Außerdem bietet der Wohnungsmarkt in der Stadt genug Alternativen. Eigentümern bleibt oft nur die teure Modernisierung – oder der Abriss.
Wohneigentum Ältere Häuser und Wohnungen, die stark renovierungsbedürftig sind, werden kaum verkauft. Vor allem die möglichen hohen Kosten für eine Modernisierung – gerade damit das Haus energieeffizient wird – schrecken Interessenten ab. „Und es gibt auch genügend Häuser, die den Ansprüchen genügen“, sagt Sebastian Obrock von der gleichnamigen Immobilienfinanzierungs- und Vermittlungsagentur. Eine leichte Belebung gebe es bei gebrauchten Eigentumswohnungen.
Mietwohnungen Für Mieter ist die Lage gut: Es gibt ausreichend Angebote, auch im günstigen Bereich, der Mietzins ist stabil. „Vermieter sind froh, wenn sie für frei werdende Wohnungen geeignete Nachmieter finden“, sagt Hans-Jürgen Meisen, Vorstand der städtischen Kreisbau. Probleme bereiten die stark gestiegenen Mietnebenkosten. „Hier ist ein gutes Betriebskostenmanagement gefragt“, erklärt Meisen. Vor allem die Energiekosten müssen niedrig gehalten werden. Ansonsten bekommen Vermieter Probleme: Wenn die Nebenkosten zu teuer werden, müssen sie Abstriche bei der Kaltmiete machen, um die Wohnung dennoch an den Mann bringen zu können.
Modernisierung Mönchengladbach wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, es gibt viele Nachkriegsbauten. Gerade Rheydt muss für seine zahlreichen 50er-Jahre-Häuser, die sanierungsbedürftig sind, eine Lösung finden. Für Hans-Jürgen Meisen gibt es für solche älteren Gebäude drei Möglichkeiten: Abreißen, an Investoren verkaufen oder sanieren, „aber auf Neubau-Standard.“
Spezialisierung „Normale Mehrfamilienhäuser ohne Philosophie dahinter, sind kaum noch zu vermarkten“, sagt Armin Maaßen, Geschäftsführer der städtischen Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (GWSG). Statt auf den Neubau großer Wohnblocks setzt die GWSG auf Sanierung und Spezialisierung – etwa auf betreutes Wohnen oder Seniorenwohnungen. Sie baut nur noch dort, wo vorhandene Strukturen ergänzt werden. An der Eickener Straße wird eine Wohnanlage modernisiert und barrierefrei umgestaltet, damit sie auch für ältere Mieter interessant wird. An der Regentenstraße werden denkmalgeschützte Häuser auf den neuesten Stand gebracht, und um eine Wohngruppe für ambulante Betreuung ergänzt.
Wenig Investoren Kapitalanleger zeigen nur wenig Interesse an Gladbacher Wohn-Immobilien. Zwar sind die Kaufpreise auf niedrigem Niveau, die Mieten aber ebenfalls. Damit sich die Investition rentiert, müssten die Mieteinnahmen steigen. Dafür müsste aber zuvor in die Häuser investiert werden. Ob sich genügend zahlungskräftige Mieter finden, ist fraglich. Drohende Leerstände schrecken Investoren ab.
Gewerbe Es gibt weniger gewerbliche Neubauten, sagt Projektentwickler Norbert Bienen. Denn in diesem Segment wird die Finanzierung immer schwieriger. Viele Banken scheuen das Risiko, Kredite für Bauvorhaben zu vergeben.
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