Mönchengladbach: Sanierungsfall Sportplatz
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 02.02.2009Mönchengladbach (RPO). Die lange Frostperiode setzte den Fußballvereinen in der Stadt heftig zu. Da viele Plätze ohnehin kaputt sind, müssen sie dringend saniert werden. Das zeigt sich jetzt zum Rückrunden-Start. Doch der Stadt fehlt das Geld.
Für Andreas Zimmermann begann die Vorbereitung auf die Rückrunde mit einem bangen Blick auf die Wetterkarte. Und dort sah des Obmann des Fußballbezirksligisten SV Lürrip selten Gutes: Frost machte den 1979 angelegten Platz unbespielbar. Gestern nun begann für Lürrip die Rückrunde. Doch vor dem Spiel haben Zimmermanns Kicker selten vernünftig gegen den Ball getreten. Und so geht es vielen Vereinen. Training ist für die meisten Fußballvereine in der Stadt derzeit nicht möglich. Die Spielabsagen häufen sich.
Der Grund: Die Plätze, ob Rasen oder Asche, waren im Januar wochenlang durch die Stadt gesperrt. Die lange Frostperiode setzt den ohnehin schon arg ramponierten Plätzen derart zu, dass die Stadt kein Training zuließ. Auch jetzt stehen noch Sperrungen an. Manche Vereine weichen auf Kunstrasenhallen aus. "Doch das ist eher Beschäftigungstherapie als Training", sagt Thomas Klingen, Vorsitzender des Fußballkreises. Nur hat die Stadt keine andere Wahl. "Wenn wir die Plätze jetzt freigeben, dann haben wir im März ein richtig dickes Problem", mahnt Harald Weuthen vom Sportamt.
Fußball in MG
Vereine 44 im Stadtgebiet Mitglieder 47450 (aktive und passive Mitglieder im Jahr 2008)
Dringend sanierungsbedürftig sind laut Gutachten die Sportplätze Asternweg, Beller Mühle, Eisenbahnstraße, Hardt, Lürrip, Mülfort, Neuwerk, Stapper Weg, Wickrath Beschlossen Neue Kunstrasenplätze entstehen laut Ratsbeschluss am Bergerfeld, in Rheindahlen und an der Ernst-Reuter-Anlage.
Fast alle Sportplätze in der Stadt sind Sanierungsfälle. Zwei Wochen Dauerfrost bedeuten eine mittlere Katastrophe, weil die Plätze hoffnungslos veraltet sind. Die 29 Tennensportplätze, also Aschenplätze, sind im Schnitt 29 Jahre alt, die Rasenplätze sogar 34 Jahre. Spätestens alle 15 Jahre muss ein Platz saniert werden – in Gladbach die Ausnahme. Die oberste Tennenschicht ist vielerorts so ramponiert, dass das Wasser nicht mehr abläuft. Die Tragschicht wird nach oben gewühlt und vermischt sich mit der Deckschicht – die Plätze gleichen dann eher einem Testgelände auf dem Mond als einem Fußballplatz. "Die Tennenplätze sind unser großes Problem", gibt Harald Weuthen zu. "Wir können dem Sanierungsbedarf wegen der Finanzen nicht folgen." Die Schraube dreht sich weiter, der Schaden wird größer.
Ein Gutachter stellte die zwölf dringendsten Fälle zusammen. Doch der Rat genehmigte erst drei Sanierungen. Am Bergerfeld, auf der Ernst-Reuter-Anlage und in Rheindahlen sollen neue Kunstrasenplätze entstehen. Die Kosten alleine dafür betragen 1,5 Millionen Euro. Zu mehr hat die Stadt im Moment kein Geld. Denn schon der Unterhalt eines Rasenplatzes kostet laut DFB im Jahr 30 000 Euro, ein Tennenplatz noch immer 14 000 Euro. Bevor die weiteren neun als besonders dringlich eingestuften Sportplätze für weitere drei Millionen Euro saniert werden, fordert der Rat einen Sportstättenentwicklungsplan. Der wird erst in einigen Monaten fertig sein.
Klar ist jedoch bereits jetzt, dass die Stadt die Kosten für alle bedarfsgerechten Sanierungen kaum wird stemmen können. Die Rede ist von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag. Die Vereine müssen sich mit den ramponierten Plätzen begnügen und Platzsperren in Kauf nehmen. Weuthen rät: "Die Sportler müssen eben Geduld zeigen."
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