Mönchengladbach: Schattenfrau hinter der Kamera
VON ARMIN KAUMANNS - zuletzt aktualisiert: 18.08.2010Mönchengladbach (RPO). Kathrin Tillmanns blickt mit ihrer Kamera am liebsten hinter die Dinge des Alltags. Ihre Bildfindungen irritieren, verstören, fesseln. Wir haben sie in ihrem Dachatelier an der Luisenstraße besucht. Am letzten Septemberwochenende wird sie am städtischen Kunst-Parcours teilnehmen.
Zwei Gabeln. Oder vier? So genau kommt man den geschwungenen Linien, den sich kreuzenden, verschränkenden Stielen und Zinken – schwarz gegen den blau in Weiß verlaufenden Hintergrund – nicht auf die Schliche. Weil die Fotografie, genauer Cyanotypie, welche die Mönchengladbacher Fotokünstlerin Kathrin Tillmanns geschaffen hat, den Schatten, den das Essbesteck wirft, in fast gleichwertigem Schwarz auf das Belichtungspapier gebannt hat. Überhaupt ist der Schatten, jener Antipode des Lichts, der Hauptdarsteller in den inszenierten oder wie improvisierten Fotografien der 42-Jährigen.
Faible für Schatten
Die in Thüringen geborene Fotografin hat das Handwerk von der Pike auf gelernt, zunächst in Berlin, unmittelbar nach der Wende in Düsseldorf. Nach freiberuflichen Jahren studierte sie an der Fachhochschule Düsseldorf Design mit Schwerpunkt Fotografie, arbeitet dort seit 2008 im Stab der wissenschaftlichen Mitarbeiter, zurzeit promoviert sie. Über Schatten. "Mich interessiert nicht die psychologische, vielmehr die künstlerische Dimension des Schattens", sagt Kathrin Tillmanns. Der Beziehung zwischen Form und Inhalt, dem Schatten als Urmodell von Form gelten ihre Überlegungen, wenn sie nach Lösungen für Bilder sucht. Dabei ist die Versuchsanordnung, auf der die Gabel-Bilder und Verwandtes entstanden sind – eine Glasplatte über einem gekrümmten Untergrund –, nur eine von vielen, mit der Tillmanns sozusagen dem Wesen von Alltagsgegenständen auf den Grund kommen will.
Kathrin Tillmanns
Herkunft 1968 geb. in Rudolstadt/Thüringen; Umzug nach Berlin, später nach Mönchengladbach
Ausbildung 1990–94 Fotografenlehre in Düsseldorf, 2003–2008 Studium Design an der FH Düsseldorf, Schwerpunkt Fotografie
Beruf Seit 2008 wissenschaftliche Mitarbeit an der FH Düsseldorf
Atelier Luisenstraße 166
Ausstellungen 2004 BIS Mönchengladbach; 2006 Photokina Köln; 2008
Kontakt Tel. 02161 837274; www.kathrin-tillmanns.de
Sie spielt gern mit der Verwirrbarkeit des Seh-Sinnes, etwa wenn sie ein Foto eines gipsernen Handabdrucks wie die Hand selbst erscheinen lässt; oder indem sie ein Tischgestell in eine Hohlkehle setzt, das Foto am Computer zerschneidet und wieder zusammensetzt, auf dass es als Paradox zwischen Boden und Decke erscheint. Immer sind Linienführung, vor allem die der Schatten, exquisit kalkuliert. Das gilt auch für die vielfältigen, thematisch sehr unterschiedlichen anderen Themenstränge, die Tillmanns' Werk ausmachen. Die Reise zu den eigenen "Schatten" etwa, die in einem Fotobuch festgehalten ist, das die Künstlerin nach regelmäßigen Besuchen in ihrem Elternhaus in Rudolstadt (Thüringen) erstellt hat: Es sind kühle, dokumentarische Blicke auf das Interieur einer Kindheit, in fragiler, seltsam schöner Ästhetik. Oder das jüngste Projekt: "Jeden Tag ein Bild", das im virtuellen Raum des Internets heranwächst.
Bei unserem Besuch im Dach-Atelier ihres Wohnhauses kann die jüngst in die c/o-Künstlerförderung der Stadt Aufgenommene nur einen Teil ihrer Arbeiten vorstellen. Freundlich, zurückhaltend, klar und erfüllt von der Faszination ihrer Arbeit tut sie das. Ein großer Rest steht im Netz, auf ihrer Homepage. Am Wochenende 25./26 September nimmt Kathrin Tillmanns am Parc/ours der Mönchengladbacher Künstler teil. Auch ihr Atelier ist dann für Besucher geöffnet.
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