Mönchengladbach: Schild: Bürger streicht
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 19.12.2007Mönchengladbach (RPO). Wo Neuwerk dran steht, ist noch lange nicht Neuwerk drin: Viermal wurde das Ortseingangsschild an der Graf-Haeseler-Straße mit „Bettrath“ überschrieben. Der Verwaltung reicht es jetzt – bald gibt es kein Schild mehr.
Wenn die Verwaltung ein Ortseingangsschild aufstellt, bedarf das eigentlich nicht der Erwähnung. Wenn sie aber das gleiche Schild innerhalb weniger Jahre zum vierten Mal an derselben Stelle aufstellt, dann schon. „Neuwerk“ prangt auf gelbem Grund an der Graf-Haeseler-Straße. Stopp! Falsch. Neuwerk sollte darauf zu lesen sein. Tatsächlich wird der Autofahrer im Stadtteil Bettrath willkommen geheißen. Denn mit schöner Regelmäßigkeit wird das Schild überklebt oder verschmiert.
Vor anderthalb Wochen erst hatte die Verwaltung das Schild „Neuwerk“ erneut anbringen lassen. Und schon innerhalb weniger Tage fanden sich die Einwohner dank eines Aufklebers in Bettrath wieder. Nicht, dass das viele Bettrather stören würde. Immerhin sind sie ja Bettrather und nicht Neuwerker, so heißt es.
Scharf scheidet der alte Bahndamm zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Und das, obwohl schon lange mehr kein Zug über die Schienen rollt. Einzige Verbindung: Ein Tunnel. Und so gibt es zwischen Bettrathern und Neuwerkern nicht nur die Mauer in den Köpfen, sondern eine real existierende in Form des Bahndamms.
Ganz normale „Fökeleien“
„Die Umwidmung des Ortsschildes gehöre zu den normalen Fökeleien“, meint Bezirksvorsteher Norbert Post. Also zu den gebräuchlichen Scherzen, wie sie zwischen den Einwohnern und Vereinen der beiden Orte getrieben werden. „Allerdings müssen wir aufpassen, dass die Sache nicht zu grobem Unfug ausartet.“ Denn immerhin kostet der Spaß 150 Euro pro Schild. Geld des Steuerzahlers.
„Die Leute aus der Verwaltung fühlen sich inzwischen schon an der Nase herumgeführt“, bestätigt darum auch Stadtsprecher Dirk Rütten. Bereits im Juni hatte die Stadt angedroht, kein neues Schild mehr aufzustellen, sich dann aber umstimmen lassen. Und ein höheres montiert. Dass dieses jetzt erneut überklebt worden ist, findet die Verwaltung überhaupt nicht lustig. „Wir werden das Schild nicht mehr ersetzen“, verkündet Rütten. Stattdessen erstattet die Stadt Anzeige gegen Unbekannt und stellt ein Tempo-50-Schild auf. Denn das Ortseingangsschild sollte auch verhindern, dass auf der Graf-Haeseler-Straße gerast wird.
Norbert Post jedoch plädiert weiterhin für das gelbe Schild. „Wie wäre es denn mit: Stadtteil Neuwerk – Ortsteil Bettrath?“ schlägt er einen Kompromiss vor. Doch ob das den Schildbürgerstreich stoppen würde, ist fraglich. Ralf Hoppenkamps, Geschäftsführer der alteingesessenen St. Barbara Bruderschaft Neuwerk, sagt, derlei Sticheleien habe es seit jeher gegeben, und das würde sich auch nicht ändern. „Es kommt ja auch kein Neuwerker und kein Bettrather auf die Idee, den ungenutzten Bahndamm abzureißen.“
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