Mönchengladbach: Schilder für den Gladbach
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 05.12.2008Mönchengladbach (RPO). Mit 20 Straßenschildern will eine Künstlergruppe auf den Verlauf des Gladbachs aufmerksam machen. Die Politiker sind begeistert von der Aktion, die die Stadt nichts kostet. Das Ordnungsamt hatte allerdings Sicherheitsbedenken.
Sie sind braun und machen Autofahrer auf besondere touristische Attraktionen aufmerksam: Schilder, wie sie jeder vom Rand der Autobahn kennt. 20 von ihnen werden in den kommenden Wochen mitten in der Stadt aufgestellt, unter anderem an Achener Straße und Sternstraße. Sie erinnern an den Bach, an dem sich einst die Äbte ansiedelten und der der Stadt ihren Namen gab. Und dieser Gladbach hat es nötig, dass an ihn erinnert wird. Zu sehen ist er nämlich in der Innenstadt nicht mehr. Er ist zum Rinnsal in einem Rohr tief unter der Erde verkommen.
Die Schilder-Aktion, von Johannes Jansen von der Gruppe Freimeister ersonnen, ist ernst und augenzwinkernd zugleich. Etwas gar nicht Sichtbares zur touristischen Attraktion zu überhöhen, hat einen ironischen Unterton. „Das Spiel mit den Größenverhältnissen ist reizvoll“, sagt Jansen. Will heißen: Selbst Städte mit wesentlich bedeutenderen Flüssen dürften kaum so viele Hinweisschilder haben wie nun bald Gladbach. Doch Jansen hat ein echtes Anliegen. Der Gladbach gebe der Stadt Identität. „Die Stadt ist, wie sie ist. Man kann aber auch mit kleinsten Mitteln viel aus ihr machen. Und für diese Aufbruchstimmung steht auch unser Projekt“, so der Designer.
Neues zum Gladbach
Die Schilder werden an großen Straßen aufgestellt, die den Gladbach queren: Nicodemstraße, Sternstraße, Aachener Straße, Berliner Platz, Rathenaustraße, Erzbergerstraße, Korschenbroicher Straße, Breitenbachstraße, Reyerhütter Straße, Volksbadstraße
Das Buch Peter Lünendonk: Auf den Spuren des Gladbachs und seiner Mühlen; 144 Seiten; Klartext-Verlag, Essen: ISBN 978-3-8375-0030-1 1. Preis: 19,95 Euro
Diese Botschaft hat die Politiker unmittelbar erreicht. In der Bezirksvertretung gab es quer durch die Fraktionen schon fast euphorische Zustimmung. Besonders freute die Politiker, dass die überschuldete Stadt kein Geld beisteuern muss. Die recht unaufwändige Aktion – Jansen beziffert die Kosten auf rund 5000 Euro – zahlt eine private Initiative für Kunst im öffentlichen Raum. Eigentlich hatten die Schilder zeitgleich zur Präsentation des neuen Buchs „Auf den Spuren des Gladbachs und seiner Mühlen“ aufgestellt werden sollen.
Doch die Realisierung dauerte länger – weil das Ordnungsamt Bedenken anmeldete. „Die touristische Beschilderung darf nur ganz, ganz vorsichtig eingesetzt werden. Die Voraussetzungen dafür lagen eindeutig nicht vor“, erklärt Hermann-Josef Herrmanns, Leiter des Ordnungsamts. Daher gab es für das Braun der Schilder keine Genehmigung. Die ursprünglich verwendete Schrift ist offiziellen Straßenschildern vorbehalten. Auch sie musste geändert werden. Jansen ließ sich davon nicht weiter beirren.
Nun sind die Gladbach-Schilder halt blau und haben eine ähnliche Schrift wie die holländischen. Und auch die dritte Auflage des Ordnungsamts lässt sich erfüllen: Die Schilder dürfen nicht an Pfosten aufgehängt werden, an denen schon offizielle Straßenschilder hängen. Von der Politik gab es für Jansen ein weiteres Extra-Lob, dass er sich von derlei bürokratischen Hindernissen nicht habe abschrecken lassen.
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