Mönchengladbach: Schlafhorst schließt
VON PHILIPP COENEN - zuletzt aktualisiert: 04.07.2009Mönchengladbach (RPO). Oerlikon entlässt 255 Mitarbeiter und schließt das 125 Jahre alte Schlafhorst-Werk in Mönchengladbach. 463 Beschäftigte bangen um ihre Jobs. Die ihre Jobs behalten, müssen am Standort Übach-Palenberg arbeiten.
Das Traditionsunternehmen Schlafhorst wird in Mönchengladbach für immer geschlossen. Gleichzeitig bangen die 463 Mitarbeiter um ihre Jobs. Der Konzern hat angekündigt, 255 Stellen deutschlandweit zu streichen. Wie die RP bereits gestern berichtete, wird es am schlimmsten Gladbach als einer der drei deutschen Standorte treffen. Bis zu 210 Kündigungen können hier ausgesprochen werden, die verbliebenen Mitarbeiter sollen im Werk Übach-Palenberg arbeiten. Diese Nachricht erhielten die Beschäftigten gestern bei einer Betriebsversammlung.
50 Millionen Umsatzeinbußen
In starre Gesichter will Betriebsratsvorsitzender Michael Schrodt geblickt haben. "Seit 1993 sind wir gebeutelt. Wir alle finden es schlimm, gewundert hat sich von uns aber niemand", sagte er gestern. Mit versteinerter Miene informierte Geschäftsführer Gerard Küsters die Öffentlichkeit. "Der Schritt ist hart, aber es geht darum, die restlichen Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern", erklärte er den Entschluss.
Die bereits im Dezember ergriffenen Maßnahmen zur Rettung des Unternehmens blieben wirkungslos: Kündigungen, Versetzungen von 386 Mitarbeitern nach Übach-Palenberg, Umstellung auf Kurzarbeit in der Montage wurden damals beschlossen. Für dieses Jahr erwartet die Firma Umsatzeinbußen von 50 Millionen Euro. Statt des geplanten Absatzes von 103 Textilmaschinen wird Schlafhorst aller Voraussicht nach weniger als 50 Maschinen verkaufen – 2007 waren es noch 320. "Die letzten 15 Monate haben gezeigt, dass sich die Situation auf dem Markt verschärft. Wir finden keine Abnehmer", so Küsters.
Eine düstere Zukunft des Schlafhorst-Konzerns prophezeit Raimund Strauß, Vorsitzender der IG Metall Mönchengladbach: "Ich zweifele an, dass sich Schlafhorst durch die alleinige Produktion und Verwaltung von Textilmaschinen in Übach-Palenberg weiterhin auf dem Markt behaupten kann." In der 45 Minuten entfernten Stadt sollen nach den Kündigungen die übrigen 887 Mitarbeiter aus ganz Deutschland arbeiten. Wann? Das ist noch unklar.
Für Dr. Max Reiners, Mitglied der ehemaligen Inhaberfamilie, ist dies der Untergang eines einstigen Familienimperiums. Denn sein Großvater übernahm 1900 das Unternehmen von Wilhelm Schlafhorst. In den 90er Jahren wurde es an die Saurer Gruppe verkauft, anschließend übernahm es Oerlikon. Reiners bezeichnet den Entschluss, Schlafhorst in Gladbach aufzugeben, als ein Trauerspiel. "Für die Mitarbeiter ist es ein Schlag ins Gesicht. Für die Stadt und die Wirtschaftsförderung eine Herausforderung." Dazu gehört, das 120 000 Quadratmeter große Firmengelände wieder mit Leben zu füllen.
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