Mönchengladbach: Schneiders Ufo ist gelandet
VON DIRK RICHERDT - zuletzt aktualisiert: 24.10.2008Mönchengladbach (RPO). Der Rohbau von Gregor Schneiders neuem Zugang zum Museum Abteiberg steht. Die 14 Meter hohe und 70 Meter lange Außenskulptur soll am 8. November eröffnet werden. Bis dahin ist noch viel zu tun, auch drinnen im Museum.
Die Begeisterung über „END“, das bisher größte Projekt, das der Rheydter Gregor Schneider (39) in seiner künstlerischen Laufbahn geschaffen hat, scheint ansteckend zu sein. Wie sonst hätte es überhaupt realisiert werden können? „Dass wir das in dieser Stadt erreichen können, ist ein Wunder!“, befand gestern der Technische Beigeordnete Helmut Hormes.
Und sein Kultur-Kollege Dr. Gert Fischer gestand: „Es ist einfach traumhaft, dass es uns in Gladbach gelingt, mit dem bedeutendsten Künstler der jüngeren Generation, den die Stadt hat, dieses Projekt zu realisieren.“ Möglich war es nur, weil erstaunlich viele Unternehmen mittun, an einem Strang ziehen – und diesen Einsatz gleichsam ehrenamtlich als Sponsorenleistung einbringen.
Projekt „END“
Eröffnung Samstag, 8. November, 12–18 Uhr, Museum Abteiberg
Programm MKV-Showband; Ansprachen Oberbürgermeister Norbert Bude, Isabel Pfeiffer-Poensgen (Generalsekretärin Kulturstiftung der Länder), Dr. Ingrid Stoppa-Sehlbach (Staatskanzlei NRW), Horst Wateler (Stadtsparkasse MG), Susanne Titz (Museum Abteiberg)
So etwas geht nicht ohne Begeisterung. Deshalb kamen sie auch gestern zur Baustelle und besichtigten den gähnenden Tunneleingang: Robert Bückmann (Bückmann GmbH), Jochen Bücker (Jessen GmbH), der Jüchener Bauunternehmer Paul Wienandts, der städtische Baufachbereichsleiter Peter Krämer und etliche mehr. Denn auch die Stadt erbringt Arbeitsleistungen – das unterstrich Hormes – im Wert von rund 100.000 Euro.
Der sonst eher öffentlichkeitsscheue Initiator, Gregor Schneider, gab gestern bei der Vorbesichtigung gern Auskunft über sein Projekt „END“. Mit 150 000 Euro Eigenbeitrag gehört der Künstler neben dem Land, der Kunststiftung des Landes und der Kunststiftung der Stadtsparkasse selbst zu den größten Spendern für Schneiders Großprojekt, das ein Gesamtbudget von 407 000 Euro umfasst.
Mit END erhält die Stadt, gewissermaßen durch die Hintertür, den lange geplanten zweiten Bauabschnitt, darauf machte Helmut Hormes aufmerksam.
Die Architektur des links abknickenden, sich fortwährend verjüngenden Tunnels soll in den nächsten Tagen mit schwarzer Folie lichtdicht verkleidet werden, um das von Schneider gewünschte Raumerlebnis zu gewährleisten. „Da wird ein schwarzes Museum gebaut“, verkündete Schneider gestern, und fügte an: „Das Ufo ist gelandet!“
Die Architektur von END, die von der Hindenburgstraße aus sichtbar sein wird, ist „zugleich der Anfang des Museums“ (Schneider) und ein neuer Zugang zu fünf Räumen aus dem Haus U R. Dabei handelt es sich um Gregor Schneiders Vaterhaus an der Unterheydener Straße 12, das seit der Kunstbiennale von Venedig 2001 auf dem ganzen Globus ein Begriff ist.
„Wie ein Keil“, so Schneider, stößt der Tunnel auf die seitliche Zinkwand von Hans Holleins Museumsbau. Dort ist bereits ein Mini-Durchbruch in den Maßen 100 an 120 Zentimeter geschaffen worden. Der Besucher steigt abwärts über eine Leiter ins Museum hinein. „Wie in eine Unterwelt“, empfindet es Schneider. Und ist dort sogleich von einem Ensemble aus Schneider-Räumen aus dem Haus U R umgeben.
Diese Räume, darunter das jüngst fürs Museum erworbene Kaffeezimmer, werden derzeit unter Hochdruck eingerichtet. Denn am 8. November muss das Projekt fertig sein. Dann soll es Bier, Würstchen, Kaffee und eben Riemchentorte geben – wie es einst auch im Kaffeezimmer der Schneiders gang und gäbe war.
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