Mönchengladbach: Schock im Polizeipräsidium
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 26.07.2008Mönchengladbach (RPO). Die Polizisten in der Stadt können es kaum fassen: Der Mann, der am Montag die Sparkasse in Hardterbroich überfiel, ist ein Kollege. Viele kennen ihn seit Jahrzehnten. Nach über 30 Dienstjahren wurde der Oberkommissar zum Täter.
Die Nachricht schlug im Polizeipräsidium ein wie eine Bombe: Ein Kollege ist der Bankräuber von Hardterborich. „Das ist mit das Schlimmste, was einer Behörde passieren kann, Denn so etwas zerstört das Bild der Polizei“, erklärte gestern Polizeipräsident Dr. Walter Büchsel. Dabei galt der Mann, der Donnerstagabend vor seiner Wohnung in der Stadt festgenommen wurde, lange als zuverlässig. Niemand hätte ihm so etwas zugetraut. Büchsel: „Vor sechs Jahren habe ich ihm zum silbernen Dienstjubiläum gratuliert.“ Jetzt sitzt der 53-jährige Oberkommissar in Untersuchungshaft, weil er bewaffnet in eine Bank lief, die Kassierin bedrohte und eine vierstellige Summe erbeutete.
Zum Überfall
Der Bankraub Am Montagmittag wurde die Sparkassenfiliale an der Grevenbroicher Straße überfallen.
Das Fluchtfahrzeug Das Fahrrad, das der Täter kurz vorher vom Gelände des Polizeipräsidiums stahl, wurde eine Stunde später sn der Krall’schen Wiese gefunden. Ein Polizist identifizierte es als seins. Die entscheidende Spur war gefunden.
Die Kollegen können es nicht fassen. Der Mann, der zuletzt im Verkehrsdienst tätig war, sei nicht jedermanns Liebling gewesen, aber durchaus geschätzt worden, sagen sie. „In den 90er Jahren konnte er einige Erfolge vorweisen“, sagt Büchsel. So habe er 1997 bei einem Brand an der Volksgartenstraße unter Lebensgefahr eine verletzte Frau aus dem Erdgeschoss und vier Kinder aus der ersten Etage gerettet. Dafür gab es eine Belobigung.
Fünf Polizisten erkannten Täter
Warum der Familienvater, der mit Frau und 14-jährigem Sohn zusammenlebt, die Sparkasse ausraubte, ist noch nicht ganz geklärt. Die ermittelnden Beamten gehen von Geldnöten aus. Aber wie er in sie hineingeriet, das liegt noch im Dunkeln. Kollegen sagen, dass der 53-Jährige zwischen 2500 und 2700 Euro netto im Monat verdient haben muss. Reichte das nicht für seinen Lebenswandel? „Es gibt noch viele Dinge, die aufzubereiten sind“, sagte gestern Kriminalhauptkommissar Rolf Flocken.
Nachdem fünf Kollegen den 53-Jährigen trotz seiner maskierung auf Bildern aus der Überwachungskamera wiedererkannt hatten, wurde er am Donnerstag um 20.30 Uhr von einem Spezialeinsatzkommando vor seinem Haus gestellt. „Die Festnahme verlief unspektakulär. Der Tatverdächtige, der gerade in sein Auto steigen wollte, leistete keinen Widerstand“, berichtet Flocken. Zehn Beamte durchsuchten bis 1 Uhr nachts die Wohnung, die laut Kriminalhauptkommissar „sehr zugestellt“ war. Aber die gründliche Suche habe sich gelohnt. Die Ermittler fanden acht Schusswaffen, darunter ein mittelgroßer Revolver, der beim Überfall auf die Sparkasse genutzt worden sein könnte. Flocken: „Seine Dienstpistole hat er definitiv nicht für den Raub genutzt.“
Anwalt genommen
Den Banküberfall hat der 53-Jährige eingeräumt. Weitere Angaben will er nicht machen. Er hat sich einen Anwalt genommen. Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff: „Er muss sich wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Und dafür liegt die Straferwartung zwischen fünf und sieben Jahren.
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