Mönchengladbach: Schützen feiern fit wie nie
VON RALF JÜNGERMANN UND ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 05.09.2010 - 20:52Mönchengladbach (RPO). Die Innenstadt als großes Open-Air-Fitness-Studio, britische Bärenfellmützen und eine um rund 350 Jahre verspätete Hochzeit – dieses Stadtschützenfest hatte es in sich. Die Geschichte des Bezirkskönigs rührt die Schützenfamilie.
Er war noch gnädig, als er die Schützen der Grünen Jäger Hardterbroich und Bezirksvorsteher Hermann-Josef Krichel-Mäurer lange Zeit auf einem Bein stehen ließ. Salvador Rodriguez kann auch anders, er ist ein mehrfach ausgezeichneter Fitness-Trainer. Aber gestern ging es bei den Vorturn-Übungen vor der großen Parade des Stadtschützenfestes ja auch nur darum, den Sauerstoffgehalt im Körper zu erhöhen und Bauch, Po und Oberschenkel zu trainieren. „ Das ist gut gegen Müdigkeit“, sagte Rodriguez.
Müde wirkte am Wochenende beim Stadtschützenfest aber eigentlich niemand. Fit wie nie starteten gestern die rund 2600 Schützen aus den 39 Bruderschaften und Schützenvereinen aus dem Bezirksverband zur großen Parade vor rund 20 000 Besuchern. Nachdem sie den Trinkspruch widerlegt hatten, dass man auf einem Bein nicht stehen könne, war auch der Paradeschritt bei allen Schützen nahe der Perfektion.
Es war eben ein perfektes Wochenende für die Schützen. Ein einzelner Schirm war an der Hindenburgstraße aufgespannt – als Schutz vor der kräftigen Spätsommersonne. Während die Besucher vor zwei Jahren Zuflucht vor den Wassermassen gesucht hatten, sorgte das Wetter diesmal für ganz anderen Gesprächsbedarf: Wie warm wird es eigentlich unter Bärenfellmützen, fragte man sich auf der Ehrentribüne. Unter den haarigen Bedeckungen steckten die Musiker der „ Band of the Welsh Guards“, die im Auftrag der britischen Königin schwitzten und schon vor der Parade Swing in die Gladbacher City brachte.
Anschließend schauten sie sich in Ruhe die paradierenden Schützen an. „ Very impressive – sehr beeindruckend. So etwas haben wir in England nicht“, sagte Warrent Officer Class 1, Evin Frost, Chef der britischen Band. „ Mir gefällt, dass so viele Leute hier so viel Spaß haben.“
Dass die kräftige Spätsommersonne beste Laune machte, merkte man auch den Schützen an. Generalfeldmarschall Klaus Schnock antwortete beim Appell auf die Frage von Oberbürgermeister Norbert Bude, wie viele Schützen und Musiker denn nun paradieren würden: „ 2634,5.“ Bevor die aber loszogen, kamen auch die Zuschauer ins Schwitzen. Denn Schützenfitness-Trainer Salvador Rodriguez animierte etliche der 20 000 Besucher der sonntäglichen Parade, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Am gesamten Festwochenende feierten nach Angaben der Polizei 35 000 Menschen mit.
Viel Beifall gab es für die Lokalprominenten in historischen Kostümen, von denen sich diesmal besonders viele aufs Pferd wagten. Der Landtagsabgeordnete Michael Schroeren gab als Winand Hieronymus Raitz von Frentz eine besonders gute Figur ab. Doch auch Gabi Teufel, Ex-Oberbürgermeisterin Monika Bartsch, Lothar Erbers und Stephan Schippers saßen sicher im Sattel. Volksbank-Chef Lothar Erbers dürfte selbst seine Familie kaum erkannt haben. Die Verkleidung als General Jan van Werth mit vollem, blonden Haar war perfekt.
Einer genoss die Parade mehr als alle anderen: Der neue Bezirkskönig Michael Keinath. Der an Krebs Erkrankte, der heute eine wichtige Untersuchung vor sich hat, sammelte Kraft beim Großereignis. Er erfuhr viel Zuspruch aus der Schützenfamilie. Als die Kutsche mit Keinath, seinen Ministern Klaus Vieten und Jochen Bensberg vor der Ehrentribüne vorfuhr, ließ sich Keinath feiern. Er grinste über das ganze Gesicht, jubelte der Menge glücklich zu.
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