Mönchengladbach: Schulen sind nicht sicher
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 13.03.2009Mönchengladbach (RPO). Keine Hochsicherheitstrakte – die Mönchengladbacher Schulleiter sind einig, dass sie eine Schule nicht bewacht sehen wollen. Doch in manchen Schulen können nicht einmal die Notfallpläne richtig umgesetzt werden.
Wenn Marlene Stähn morgens ihre Kinder in der Schule abliefert, dann wähnt die Mutter sie sicher. Doch der Amoklauf in Winnenden am Mittwoch entlarvte die Sicherheit in Schulen erneut als trügerisch. Auch in Mönchengladbach ist deshalb gestern die Diskussion aufgekommen: Müssen Schulen sicherer sein? Braucht eine Schule ähnlich wie in den USA Sicherheitspersonal und Waffenkontrollen?
"Nicht verbarrikadieren"
"Nein", sagt Ulrich Elsen, Lehrer an der Gesamtschule Rheydt-Mülfort und Vorsitzender des Schulausschusses. "Der Bildungsauftrag verbietet es, Schulen zu Hochsicherheitstrakten zu machen. Außerdem ist es illusionär zu glauben, Schüler so schützen zu können." Hans-Gerd Dedden, Leiter der katholischen Hauptschule Stadtmitte, bemerkt: "Man kann sich nicht verbarrikadieren." Und Bernd Schäferhenrich, Leiter der Gesamtschule Hardt, sagt: "Schulen sind nicht sicher. Schutzinteresse der Schüler und freiheitlich-tolerantes Umgehen müssen im Gleichgewicht sein."
Präventive Arbeit ist für die Schulleiter sinnvoller als Wachposten vor den Toren und Metalldetektoren am Schuleingang. Gute persönliche Kontakte zu den Schülern, aufeinander zugehen, jemanden auch mal ansprechen, der einsam in der Ecke steht – "es kommt darauf an, mit den Schülern zu reden", sagt Ulrich Elsen.
Für den Extremfall haben die Schulen mit der Polizei und der Stadt Notfallpläne erarbeitet. Die hängen laut Ingrid Habrich in ihrer Schule, dem Math.-Nat., in jedem Klassenzimmer und regeln das Verhalten in verschiedenen Notfällen, auch bei Amokläufen. Lehrer sollen Handys stets dabei haben, die Klassenzimmer sollen abgeschlossen werden, alle Kinder und Lehrer sollen sich auf den Boden legen und die Tür nur bei einem vorher vereinbarten Codewort wieder geöffnet werden. Diese Maßnahmen sollen Leben retten – wenn die Klassen die Warnung frühzeitig erreicht.
Doch in einigen Schulen ist das gar nicht möglich. Denn nicht alle verfügen über eine Lautsprecheranlage. In anderen Gebäuden ist sie defekt. "Seit April 2007 haben wir die Stadt mehrmals darum gebeten, die Lautsprecheranlage zu reparieren und Raumnummern von außen und innen anzubringen", sagt Clemens Fritze, ehemaliger Schulleiter an der Rheindahlener Hauptschule. Bislang sei jedoch nichts passiert. "Wie soll ich per Handy jemandem mitteilen, in welchem Raum ich bin oder der Täter ist, wenn der Raum keine Nummer hat?" Und er berichtet von weiteren Schulen, in denen die Lautsprecheranlage seit langem kaputt sei. Warnungen an Schüler und Lehrer, wie sie der Notfallplan vorsieht und wie offenbar in Winnenden geschehen, sind so gar nicht möglich. "Was soll dann ein Notfallplan?", fragt Fritze.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





