Mönchengladbach: Schulstunden werden länger
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 03.04.2009Mönchengladbach (RPO). An zwei Gymnasien beginnt nach den Sommerferien eine neue Zeitrechnung. Die Schulstunden dauern dann nicht mehr 45 Minuten, sondern 65 oder 70 Minuten. Dadurch soll ein intensiveres Lernen ermöglicht werden.
Die Schulkonferenzen vom Hugo-Junkers-Gymnasium und vom Gymnasium an der Gartenstraße haben es beschlossen: Künftig wird an beiden Schulen eine Unterrichtsstunde im Schnitt 67,5 Minuten dauern. Der alte 45-Minuten-Takt wird abgeschafft – zumindest probehalber bis zum Herbst 2010. "Die Entscheidung ist mit großer Mehrheit gefallen", sagt Wolfgang Bremges, Schulleiter des Hugo-Junkes-Gymnasiums.
Mehr Ruhe im Tagesablauf
Die Verlängerung der Unterrichtsstunden ist eine Antwort auf die Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren. "Wir haben überlegt, wie wir das Lernen intensivieren können", sagt Bremges. Verlängerte Unterrichtsstunden bedeuteten mehr Ruhe im Tagesablauf. "Schüler, die sieben Stunden haben, erleben heute oft sieben Lehrerwechsel und genauso oft müssen sie den Raum wechseln", berichtet die Lehrerin Angelika de Clerque. Das bedeute Stress und sei schon ein bisschen so wie Wandertag durch die Schule.
Die Umstellung
Kooperation Das Gymnasium an der Gartenstraße und das Hugo-Junkers-Gymnasium kooperieren miteinander – zum Beispiel bei einigen Leistungskursen.
Zeitraster Um den Stundenplan dem neuen Zeitraster problemlos anzupassen, werden die bisherigen 45 Minuten pro Fach um das Anderthalbfache verlängert. Theoretisch ergebe dies eine Unterrichtszeit von 67,5 Minuten. In der Praxis werden die Schulen wohl künftig zwischen Stunden mit 65 und 70 Minuten abwechseln.
Nach den Sommerferien haben die Schüler am Vormittag höchstens vier Stunden und an manchen Tagen nach einer Mittagspause Nachmittagsunterricht. Insgesamt ändere sich die Länge des Schultages nicht, nur eben der Stunden-Takt, erklärt Bremges.
Längere Unterrichtsstunden hätten auch den Vorteil, dass Lehrern und Schülern mehr Zeit bleibt, experimentell zu arbeiten, sagt der Schulleiter. Die Erfahrungen gibt es überall: Bis zum Beispiel im Chemieunterricht der Versuchsaufbau steht, bleibt oft nur noch eine halbe Stunde. Wobei in den ersten fünf Minuten sowieso kaum effizientes Lernen möglich ist, weil Schüler sich erst einmal beruhigen müssen und manche auch zu spät kommen. Fünf Minuten Pause ist vielfach zu knapp. Nach den Sommerferien gibt es an den Rheydter Gymnasien Zehn-Minuten-Pausen.
Skeptiker habe es auch am Hugo-Junkers-Gymnasium gegeben, sagt Elternvertreterin Stefanie Bieberstein. Um sicher zu gehen, ob man das Richtige mache, seien deshalb auch Vertreter vom Gymnasium Korschenbroich eingeladen worden, wo die Unterrichtsstunden bereits zum laufenden Schuljahr verlängert wurden. "Dort gab es überwiegend gute Erfahrungen", berichtet Stefanie Bieberstein.
"Klar, ein paar Schüler haben auch gesagt: ,Mathe oder Bio halte ich nicht länger als 45 Minuten aus'", erzählt Schülervertreter Johannes Mitscherling. Auch er war zuerst relativ skeptisch. "Ich glaube, es lag aber nur daran, dass ich mir das am Anfang einfach nicht vorstellen konnte." Mittlerweile wollen es die meisten Schüler auf einen Versuch ankommen lassen. Johannes Mitscherling: "Wir haben ja auch die Versicherung, dass wir alles rückgängig machen können, falls es nicht klappen sollte." Einige Kunst- und Sportlehrer bedauern allerdings den Wegfall der Doppelstunden. Die wird es im neuen Stunden-Takt nicht mehr geben.
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