Mönchengladbach: Schwanger – und verzweifelt
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 06.12.2008Mönchengladbach (RPO). Wenn sich Nachwuchs ankündigt, ist das manchmal nicht nur ein Grund zur Freude. Wenn es in der Ehe kriselt, das Geld nicht reicht oder die Frauen überfordert sind, hilft das Diakonische Werk.
Diakonisches Werk
Erziehungs- und Familienberatung Sie hilft u.a. bei schulischen Schwierigkeiten, Auffälligkeiten des Kindes, Trennung/Scheidung.
Schwangerschaftsberatung Hier gibt es Hilfe für Frauen im Konflik , bei allen Problemen, die mit der Schwangerschaft und auch nach der Geburt auftreten.
Info Tel. 02166 615921
Eigentlich hatten sich Anette Z. (Name geändert) und ihr Freund ein Kind gewünscht. Doch als die 21-Jährige schwanger wurde, verließ sie der Kindsvater. Die arbeitslose junge Frau war verzweifelt und überfordert. Sie stand gerade erst auf eigenen Füßen, als sich der Nachwuchs ankündigte. Allein, so dachte sie, würde sie es nicht schaffen, ein Kind großzuziehen. Gemeinsam mit ihrer Mutter suchte die junge Frau Hilfe bei der Schwangerschaftskonfiktberatung des Diakonischen Werkes der evangelischen Kirche.
Zu wenig Geld für ein Kind
Anette Z. war eine von 603 Frauen, die im vergangenen Jahr in der evangelischen Einrichtung Rat suchten. 80 Prozent der Hilfesuchenden war zwischen 18 und 34 Jahren alt. „Wirtschaftliche Probleme nehmen inzwischen bei der Beratung einen immer größeren Raum ein“, sagt Ute Dornbach-Nensel, Geschäftsführerin der Diakonie. Gerade in Mönchengladbach mit seinen vielen Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern ist das ein Dauerthema. Die Berater können auch bei finanziellen Sorgen helfen: In zwei Läden der Diakonie gibt es günstig Kinderkleidung und Zubehör. Rund 121 000 Euro wurden zudem ausgezahlt, aus Mitteln der Bundesstiftung für Mutter und Kind, der Landeskirche und Fonds der Stadt.
In der Erziehungs- und Familienberatungsstelle sowie der Schwangerschaftskonfliktberatung arbeiten sieben Fachkräfte der Psychologie, Sozialarbeit und -pädagogik sowie zwei Sekretärinnen. Dass Schwangerschaftsberatung und Erziehungshilfen in der gleichen Einrichtung angeboten werden, hat Methode: Werdende Mütter in Konfliktsituationen haben häufig auch Probleme in ihren Beziehungen, mit ihren anderen Kindern oder kritischen Familienkonstellationen.
So war es auch im Fall von Anette Z. Nachdem der Kindsvater sie verlassen hatte, wandte sich die junge Frau wieder ihrem Elternhaus zu. Dort bekam sie auch die nötige Unterstützung. Während der Beratung wurde aber auch daraufhin gearbeitet, dass Anette Z. lernt, später mit ihrem Kind auf eigenen Füßen zu stehen. Das bedeutet auch, den Alltag und die Versorgung zu meistern. „Viele Frauen scheitern an Grundsätzlichem“, weiß auch Ute Dornbach-Nensel. Manche junge Frau, die keine berufliche Perspektive mehr sieht oder in der eigenen Kindheit keine Geborgenheit erlebte, entscheidet sich aus diesen Gründen für ein Kind. Und scheitert oft an der Realität.
Anette Z. hat es mit Hilfe der Beratung geschafft, eine enge Bindung zu ihrem Kind aufzubauen und in ihre neue Rolle zu wachsen. Inzwischen meistert sie ihren Alltag als Mutter selbstständig.
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