Mönchengladbach: Schweinegrippe: Ansturm auf den Impfstoff
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 03.11.2009 - 16:30Mönchengladbach (RPO). Die Nachfrage nach Impfungen gegen das Schweinegrippe-Virus ist rasant angestiegen. Fast 4000 Menschen wollen sich impfen lassen. Doch viele haben es noch nicht einmal bis zu einem Termin geschafft.
Thomas Pönitsch ist nicht von Ängsten geplagt, wenn es um seine Gesundheit geht. Erst einmal hat er sich überhaupt impfen lassen. Als er die Meldungen über die Schweinegrippe las, machte er sich mit seinr Frau Gisela aber schnurstracks auf zum Gesundheitsamt. Das war am Montag. Einen Termin zur Impfung hat er nun für Ende nächster Woche. „Ich dachte das geht ganz schnell”, wunderte sich der 61-Jährige.
1501 Anmeldungen
Geht es eben nicht. Denn seit Anfang der Woche hat die Impfwelle gegen Schweinegrippe in Mönchengladbach an Fahrt aufgenommen. Bis Montagabend bekamen 364 Mönchengladbacher den Impfstoff injiziert, weitere 1501 Impftermine wurden vergeben - allein bei der Stadt. Bis Montagabend kamen zudem 2320 Bestellungen von Impfdosen von niedergelassenen Ärzten.
Zur Impfung
Gesundheitsamt Die telefonische Hotline ist montags bis donnerstags in der Zeit zwischen 8 und 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr unter 02161-256666 zu erreichen.
Hausärzte Einige der niedergelassenen Ärzte in Mönchengladbach führen die Impfung ebenfalls durch. „Jeder Arzt hat die Möglichkeit, Impfstoff zu bekommen, wenn die Patientenschaft das wünscht”, sagte Stadtsprecher Dirk Rütten.
Doch dies ist offenbar nur der Anfang. In vielen Arztpraxen stand das Telefon am Dienstag nicht still. Allein in der Praxis von Kinderarzt Ralph Köllges, Spezialist für Impfungen und Reisemedizin, gab es 400 Anfragen zur Impfung. „Land unter”, sagte Köllges. „Seit Anfang dieser Woche gibt es eine zunehmende Bereitwilligkeit zur Impfung.” Dabei war in der vergangenen Woche noch alles ruhig gewesen.
Köllges führt dies auf Meldungen zurück, wonach sich in der Ukraine und den USA die Grippe verschlimmert haben. Zudem war von einer Toten in Siegburg bei Bonn die Rede, die nicht zur Risikogruppe gehört haben soll. „Als wir das gehört haben, haben wir beschlossen, uns impfen zu lassen”, bestätigt Thomas Pönitsch. Die Zahlen sind allerdings noch „geschönt”, denn sie erfassen nur Leute, die es tatsächlich bis ins Gesundheitsamt geschafft haben. Die Leitung war jedoch meistens besetzt.
Wer es telefonisch bei Hausärzten oder bei der Hotline im Gesundheitsamt versuchte, kam selten durch. „Die Hotline ist eine Coldline”, schimpfte Grundschullehrerin Maria Goldstein, die sich impfen lassen wollte. Als sie es in Viersen versuchte, lud man sie direkt zum Impfen ein. Dort wird acht Stunden täglich und samstags vier Stunden geimpft. „Schön”, dachte sich Maria Goldstein wenn sie denn in Viersen gewohnt hätte, wäre das auch möglich gewesen. „Ich habe das Pech, Mönchengladbacherin zu sein. Warum geht das hier nicht?”, fragt die 62-Jährige. „Ich geb‘ auf. Dann werd‘ ich eben krank.”
Und das ist erst die Informationswelle. Köllges gibt in seiner Praxis ein Aufklärungsmerkblatt heraus, mit dem sich die Patienten beschäftigen sollen. Entscheiden sie sich zur Impfung, gibt es keine generelle Diskussion mehr. Denn dafür ist schlicht die Zeit nicht da. Um alle 400 in seiner Praxis eingegangenen Impfwünsche zu erfüllen, führt Köllges zusätzliche Sprechstunden ein. Am Donnerstagabend etwa wird er die ersten 60 Patienten impfen, und am Freitagnachmittag geht‘s weiter.
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