Mönchengladbach: Schweinegrippe: Keine Panik
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 16.06.2009Mönchengladbach (RPO). Mehr als 80 Erkrankte in Düsseldorf, 13 in Köln. Die "neue Grippe" kommt geographisch näher. Vier Verdachtsfälle gab es in Mönchengladbach. Alle Tests verliefen negativ. Dennoch rüstet sich die Stadt für den Ernstfall.
In der Praxis von Dr. Heribert Hüren gab es bisher erst einen Patienten, der ernsthaft befürchtete, sich angesteckt zu haben. "Er hatte Kontakt zur japanischen Schule in Düsseldorf", sagt der Mediziner und Vorsitzende der Ärztekammer in Mönchengladbach. "Die Symptome passten, aber ich konnte ihn beruhigen. Er litt glücklicherweise an einer normalen Erkältung." Wie gefährlich das Influenza-Virus tatsächlich ist, könne keiner sagen. "Bisher haben wir in Deutschland allerdings eine relativ milde Form der Infektion." Er rät dringend dazu, die Nerven zu bewahren, und auf keinen Fall in Panik zu verfallen.
In der vergangenen Woche hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Pandemie-Alarm auf die höchste Stufe 6 heraufgesetzt. "Das ist die logische Reaktion auf die weltweiten Zahlen", sagt Heribbert Hüren. "Für Deutschland ist das eher eine Formsache und hat zunächst keine unmittelbaren Folgen." Er und seine Kollegen seien immer auf dem aktuellen Informationsstand. "Wir beschäftigen uns permanent mit der Situation und bereiten uns auf alle Fälle vor."
Die Symptome
Symptome Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Müdigkeit, manchmal auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
Impfstoff Ein wirksamer Impfstoff soll schon im Herbst zur Verfügung stehen.
Reiseempfehlungen Hinweise des Auswärtigen Amtes unter www.auswaertiges-amt.de
Informationen geben der Hausarzt und das Gesundheitsamt
Das tut auch die Stadt. "Es besteht ein ständiger Kontakt zu den großen Kindertagesstätten, den Krankenhäusern und Altenheimen", sagt Stadtsprecher Wolfgang Speen. "Alle Erkältungs- und Grippe-Erkrankungen werden zentral notiert." So würden sämtliche Indikatoren sofort ausgewertet. Der Krisenstab besteht aus den städtischen Ämtern, Polizei, Feuerwehr, Katastrophendienst, Ärztekammer, Kassenärztlicher Vereinigung, Krankentransportunternehmen, Krankenhäusern und Apotheken. "Alle Beteiligten sind auf den Fall der Fälle vorbereitet. Wenn die Pandemie uns erreichen sollte, greift automatisch ein großes Netzwerk", sagt Wolfgang Speen.
Bisher habe es in Mönchengladbach nur vier Verdachtsfälle gegeben. Alle seien negativ getestet worden. Im ersten bestätigten Fall würde umgehend der Pandemieplan gestartet. Zwei Kliniken haben sich auf Quarantänemaßnahmen eingerichtet: In der Kinderklinik des Elisabeth-Krankenhauses werden Kinder bis zum 13. Lebensjahr aufgenommen, für Erwachsene wäre das Franziskushaus zuständig.
Die Stadt hat Empfehlungen zum Grippeschutz herausgegeben: Die Hände sollten mehrfach am Tag 20 bis 30 Sekunden mit Wasser und Seife gewaschen werden. Mund, Nase oder Augen sollten möglichst nicht mit den Fingern berührt werden. Beim Husten oder Niesen sollte Abstand zu anderen Menschen gehalten werden, als Schutz sollte die Armbeuge, auf keinen Fall die Hand benutzt werden. Und ein Papiertaschentuch gehört nach einmaligem Gebrauch in den Müll. Wer Grippesymptome spüre, sollte Küssen und Umarmen vermeiden, Räume sollten gründlich gelüftet und Küche und Bad hygienisch sauber gehalten werden. "Panik ist unnötig", sagt Wolfgang Speen, aber Achtsamkeit schadet nicht."
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